• Die 10 schmerzhaften Stationen des Hausarbeitenschreibens

    Station 1 A: Ein Thema zugewiesen bekommen

    Die erste oder letzte Stunde im Semester ( erste Stunde, falls mit der Hausarbeit auch ein Referat verbunden ist ). Du sitzt in einem Raum mit 20 bis 35 anderen Studenten und mindestens 2/3 von euch wollen einen Schein machen. Der Dozent zeigt euch eine Liste mit Themen, von denen bestenfalls zwei dich interessieren. Der Kampf beginnt mit viel Geschrei, fuchtelnden Armen und Auf-die-Füße-treten. Wetten, du bekommst am Ende keins der Themen, die dich irgendwie angesprochen haben? Aber tröste dich: Du bist so froh, dass der ganze Zirkus vorbei ist, dass dir dein Thema am Arsch vorbei geht. Bis anderthalb Wochen vor Abgabetermin wird das auch so bleiben.

    Station 1 B: Sich ein Thema ausdenken

    Du hast einen liberalen Dozenten, der eure Fähigkeit, sich selbst eine Fragestellung innerhalb eines großen Gesamtthemas zu überlegen fördern will. Zunächst einmal begrüßt du das sehr, denn es entspricht deinem Selbstverständnis als eigenständiger, intelligenter Mensch der der Menschheit einmal große Erkenntnisse schenken wird. Außerdem kannst du endlich etwas machen, was dich interessiert.
    Und dann sitzt du bis anderthalb Wochen vor Abgabetermin da, und weißt nicht, worüber zur Hölle du schreiben könntest. Ist das, was du da im Kopf hast, überhaupt eine Fragestellung? Hast du den Ausgangstext vielleicht völlig falsch verstanden? Ist das noch im Rahmen des Gesamtthemas? Gibt diese Fragestellung genug her? Bin ich überhaupt fähig, zu studieren?
    Du wirst es beim Schreiben herausfinden. Entweder, es werden irgendwann 12 Seiten, oder eben nicht.

    Station 2: Literatursuche

    Entweder du hast ein Thema zugewiesen bekommen oder du hast dich vage darauf festgelegt. Jetzt musst du dir überlegen, wie du wohl genug Sekundärliteratur zusammenkriegst, damit du A von jemand abschreiben kannst und B wissenschaftlich rüberkommst. Dabei helfen Opac, KVK und die Literaturlisten, die du von deinem Dozenten bekommen hast.
    Wenn du potentielle Sekundärliteratur gefunden hast, musst du noch hoffen, dass sie tatsächlich in einer der Fachbibliotheken steht, zu denen du problemlos Zugang hast, denn wie gesagt: Es ist anderthalb oder mittlerweile nur noch eine Woche vor Abgabetermin und Fernleihe vom anderen Ende des Landes is nich mehr!
    Wenn du deine Liste solcherart eingegrenzt hast, musst du in die Bibliotheken selbst gehen und ganz wortwörtlich die Bücher suchen. Wenn du sie auf dem Rückstellregal irgendeines Stockwerkes, in das sie gar nicht gehören, glücklich ausfindig gemacht hast, kannst du dich zur dritten Station begeben.

    Station 3: Kopieren

    Mit einem Stapel Bücher in den Armen und einem Haufen Kleingeld in der Tasche quetschst du dich in einen Kopierraum und die nächste halbe Stunde geht für recht eintönige Bewegungen drauf. Münzen rein, Buch drauf, Knopf drücken, Augen zu ( um nicht völlig blind zu werden ), nächste Seite, Knopf drücken.....Münzen nachwerfen....und so weiter. Wenn du das geschafft hast, verlässt du mit einem Haufen Blätter die Bibliothek, gehst an dein Schließfach und hast das Gefühl, die Hauptarbeit läge jetzt hinter dir. Irrtum.

    Station 4: Sekundärliteratur lesen

    Angesichts deines Zeitproblems ( du hast jetzt bestenfalls noch sechs Tage ) kannst du natürlich die Sekundärliteratur lange nicht so gründlich lesen, wie du es sonst tust. In die hier zugrundegelegte Arbeitsmoral übersetzt heißt das: Du liest das erste Kapitel von dem ersten Stapel Kopien halbwegs gründlich, dann schweifst du ab und den Rest überfliegst du.
    Dann musst du das Aufgenommene irgendwie verarbeiten. Wenn dir ein Thema vorgegeben ist, bist du möglicherweise erleichtert, denn jetzt weißt du endlich, was zur Hölle du schreiben könntest. Wenn du dir dein Thema selbst ausgesucht hast, fragst du dich, ob deine Sekundärliteratur zu dem, was du schreiben wolltest, überhaupt passt, ob das, was du schreiben wolltest, überhaupt irgendeinen Sinn ergibt, ob du zum Studieren überhaupt geeignet bist und schließlich verfluchst du Hausarbeiten im Allgemeinen und Sekundärliteratur im Besonderen.

    Station 5: Gliederung erstellen

    Jaaa, eigentlich sollte man das machen, bevor man mit dem Schreiben anfängt. Das tust du vielleicht sogar, aber du wirst sie beim Schreiben noch fünfmal umwerfen. Eventuell empfiehlt es sich also, gleich zu Station 6 überzugehen.

    Station 6: Schreiben

    Dieser Teil deines Leidenswegs kann sich ebenso gut über vier Tage wie über 24 Stunden hinziehen, wobei die vier Tage vermutlich vorzuziehen sind. Er besteht aus qualvollen Verrenkungen wie "im Folgen soll dargestellt werden", "zunächst aber soll untersucht werden", "weiter oben wurde gezeigt" und anderen "Ich"-Vermeidungs-Optativen und Passivkonstruktionen, die wohl den Kern des wissenschaftlichen Sprache ausmachen. In diesem Stil musst du ca. 10 bis 15 Seiten mit irgendeinem Inhalt füllen. Dabei ist darauf zu achten, wissenschaftlich korrekte Argumente einzubauen, zu zitieren und den sinnvollen/zweckmäßigen Aufbau der Arbeit zu berücksichtigen. Was du schreibst ist dann eigentlich relativ egal. Bewertungskriterium ist nicht die Originalität der Arbeit, sondern die Länge der Bindestriche.

    Station 6a: Irgendwie die Seiten vollkriegen

    Du machst extra viele Absätze, formulierst alles so langatmig wie möglich und fügst jede noch so irrelevante Information ein, nur um endlich wenigstens 10 Seiten zusammenzukriegen. Und dann, endlich, endlich hast du es geschafft.

    Station 7: Fußnoten einfügen

    Ja, du hast brav zitiert. Du hast dich auf Werke anderer Autoren berufen, die das alles besser wissen als du. Und jetzt vergiss nicht, überall die kleinen Fußnoten einzufügen, sonst gibt das ganz großen Ärger. Ich hoffe, du hast deine Sekundärliteratur noch nicht verbrannt und sie fliegt nicht lose überall in deinem Zimmer herum. Aber selbst wenn du sie ganz ordentlich zusammengeheftet hast, wirst du nach einigen Belegen ewig suchen.

    Station 8: Formatieren, Gliederung und Deckblatt schreiben

    Jetzt geht es an das, was sich so schön "äußere Form" nennt. Wenn du mit Word oder Open Office arbeitest, dann viel Spaß beim Formatieren. Wer bisher noch nicht die Nerven verloren hat: Jetzt ist es soweit. Sie wurden schließlich so massiv strapaziert, dass ein paar Spacks, die einfach immer wieder kommen, einen Schreikrampf absolut rechtfertigen. Vor allem, wenn es bereits Abgabetag ist.

    Station 8a: Sich an die maximale Seitenanzahl halten

    Wie konnte das plötzlich zum Problem werden? Du hattest doch erst mühsam die zehn Seiten zusammengestoppelt? Jaaa, aber du hast vergessen, vorher die Formatierungen einzustellen, und mit Rändern und Fußnoten bist du auf einmal auf Seite 16. Du wirst wohl ein paar von deinen Absätzen wieder entfernen müssen. Aber vergiss dabei nicht, dass es absolut unmöglich aussieht, wenn eine Unterüberschrift ganz unten auf einer Seite steht, oder wenn da nur noch zwei Zeilen stehen, oder...

    Station 9: Korrekturlesen

    Am liebsten würdest du es lassen, denn du willst gar nicht wissen, was du rein inhaltlich für einen Blödsinn fabriziert hast. Aber du musst es tun, sonst gibt es Abzug bei der "äußeren Form".

    Station 10 A: Abschicken

    Wenn du Glück hast, darfst du die Hausarbeit per Mail abgeben. Dann musst du nur noch dran denken, sie so zu speichern, dass dein Dozent sie auch öffnen kann. Und falls du deine Farbeinstellungen geändert hast, solltest du die auch noch anpassen.

    Station 10 B: Abgabe auf Papier

    Welche Qualen nun auf dich zukommen, ist ganz offensichtlich: DRUCKEN. Wenn du Glück hast, hast du Druckerpapier und Druckerpatronen und einen Drucker zu Hause. Wenn du noch mehr Glück hast, gelingt es dir, dein Werk auszudrucken, ohne dass es zu mysteriösen Drucker-Fuckups kommt und ohne dass jede zweite Seite völlig schief bedruckt ist.
    Nachdem du das irgendwie vollbracht hast, musst du dein Werk samt Schein, den du deiner Meinung nach eh nicht verdienst, in eine Mappe legen und sie irgendwie deinem Dozenten zukommen lassen. Aber wie?
    Erstmal musst du an die Uni fahren. Dann musst du hoffen, dass entweder das Sekretariat noch offen hat, obwohl es leider zehn nach zwölf und nicht mehr zwölf ist, oder dass es einen Briefkasten gibt und der noch nicht vor Hausarbeiten überquillt. Dass dein Dozent da ist, damit solltest du nicht rechnen. Wenn du jedoch deine Hausarbeit glücklich abgegeben hast, erlebst du den schönsten Moment der ganzen Semesterferien. Leg dich mit einem Drink in die Badewanne oder hol den Schlaf nach, auf den du letzte Nacht verzichten musstest.

    Das Gefühl, etwas geschafft zu haben, hält nicht lange an. Bald denkst du wieder, du müsstest jetzt aber endlich mal wieder etwas Konstruktives machen. Und dann setzt allmählich das Grauen vor der Rückgabe der Hausarbeit ab. Bei dem Blödsinn, den du da geschrieben hast...

  • Spontaner Wutausbruch angesichts des Sortiments durchschnittlicher Klamottenläden

    Es soll ja Frauen geben, die lieben es, shoppen zu gehen. Genaugenommen ist das Shopaholic-Klischee eines der hartnäckigsten. Ich möchte meinen Versuch, zwei Hosen zu erstehen, streng von dieser Art der Freizeitbeschäftigung abgrenzen, da dieser Versuch angesichts des nahenden Winters und angesichts des Inhalts meines Kleiderschranks einer Notlage zuzuschreiben ist und nicht einem Überschuss an Zeit, Geld und Narzissmus.
    Ich hatte die Absicht, eine Jeans und eine Cordhose zu erstehen, und, ja, natürlich hoffte ich, dass ich mir in diesen Kleidungsstücken dann auch gefallen würde. Auf dem Weg in die Innenstadt freute ich mich sogar darauf, ausnahmsweise einmal in normalen Läden einkaufen zu gehen, statt in den diversen Army-Shops, die diese Stadt zu bieten hat.
    Mein erster Weg führte mich in den Hettlage, und dann gleich wieder hinaus. Erstens überstiegen die dort angebotenen Hosen mein Budget, und zweitens hatte ich das Gefühl, ganz erheblich den Altersdurchschnitt zu senken, und man will ja nicht genauso rumlaufen wie seine Mami. Angesichts der Schwellenangst, die ich ohnehin schon empfand, nachdem ich mich drei Jahre lang auf den Besuch von Army-Shops beschränkt hatte, kam ich mir in diesem seriösen Laden vor wie Vivian in Pretty Woman.
    Als nächstens ging ich zähneknirschend zum H&M. Ich schätze es eigentlich nicht, wenn ich so angezogen bin wie eine Jugend, der ich mich nicht zugehörig fühle, aber vermutlich waren die Chancen, hier zu erschwinglichen Preisen Hosen zu erstehen, die niemand über fünfunddreißig tragen würde, erheblich größer. Was ich bei dieser Rechnung leider vergessen hatte, war, dass die Hosen mir auch noch passen müssten.

    Ich begann mit zwei schwarzen Jeans mit den üblichen, kunstvoll ausgebleichten Stellen. Ich hatte eine Hose in Größe 34 und eine in Größe 36 genommen. Das letzte Mal, als ich regulär einkaufen war, hatte ich nämlich zwischen diesen Größen geschwankt. In der Umkleidekabine erwartete mich dann eine böse Überraschung. Die 34er Hose konnte ich vergessen, ich kriegte sie nicht mal über meine Oberschenkel. Die 36er Hose bekam ich mit großer Mühe zu. Blieb das Problem, dass sie so designed war, dass sie um meine Unterschenkel in etwa so eng anlang wie ein paar Nylonstrümpfe, so dass irgendwie der kuriose Eindruck entstand, ich wäre auf dem Weg zu einem Casting für Helden in Strumpfhosen II. Dabei warf der Stoff auch noch Falten, und jeder Versuch, diese zu glätten, hätte vermutlich darin resultiert, dass ich mir ein paar Fingernägel abgebrochen hätte (ja, echte Fingernägel!).
    Nachdem ich dann auch noch feststellen musste, dass die Hose einen Stringtanga - und Arschgeweihschnitt hatte - sprich: wenn man sich hinsetzte mehr enthüllte als verbarg - wand ich mich resigniert wieder aus ihr heraus und suchte den Laden nach Cordhosen ab.
    Ich wurde sogar fündig. Eine ganze Stange mit simplen schwarzen Cordhosen. Genau so etwas wollte ich. Als Kompensation dafür, dass die Jeans mir nicht gepasst hatten, nahm ich noch eine ebenso simple schwarze Stoffhose mit. Nun erlebte ich eine noch schlimmere Überraschung. Die Cordhose, obgleich Größe 36, bekam ich partout nicht zu. Nichtsdestotrotz saß sie um meine Beine verhältnismäßig locker und erzielte einen optischen Effekt, der nahe an eine Quadratur des Kreises herankam. Da ich es nicht besonders schätze, viereckige Beine zu haben, beschloss ich, darauf zu verzichten, das Unding auch noch in 38 anzuprobieren. Die schwarze Hose passte, und obwohl sie mich keineswegs mit Begeisterung erfüllte, beschloss ich resigniert, wenigstens sie zu kaufen, da sie, im Gegensatz zu den anderen Hosen, tatsächlich mehr einem Kleidungsstück als einem Folterinstrument ähnelte.

    Für den Rest meiner Winterbekleidung muss ich wohl einen Second Hand Laden aufsuchen und darauf hoffen, dass es mal irgendein seliges Jahrzehnt gab, in dem man human genug war, die Kleidung dem Körper anzupassen und nicht den Körper der Kleidung.
    Ich weiß nicht, wie magersüchtig man eigentlich sein muss, um in diese Hosen zu passen. Vor vier Jahren habe ich in den USA eine Jeans der Größe 6, sprich 34 gekauft. Diese Hose passt mir immer noch. Wie kommt es also, dass ich bei neueren Hosen nicht mal mehr in Größe 36 hineinpasse? Offensichtlich entspricht meine Figur nicht dem derzeit so angesagten Verkrüppelte-Unterschenkel-Design...oh, und mein Hüftumfang nicht den aktuellen Standards, gemessen bei essgestörten Jugendlichen. Ich versuch es mal bei den Umstandsmoden, da kriegt man vielleicht Sachen in den Größen, wie sie vor vier Jahren waren. :(

    Mit freundlichen Grüßen aus der Schlankheitsdiktatur...

  • Paranoid - Studies in Loneliness

    Ich fühle mich wie der Protagonist einer sozialkritischen Kurzgeschichte. Diese Kurzgeschichte spielt in einer Hochhaussiedlung in einer Weltstadt ohne Welt, in einer Wohnung, die sich vom Erdgeschoss bis in den ersten Stock einer dieser Schuhschachteln aus Beton erstreckt. Eine Wohnung, die in beiden Stockwerken an beiden Enden Ausgänge hat. Und damit leider auch Eingänge. Panoramafenster inklusive. Mir zeigen sie nicht viel mehr als die Dunkelheit da draußen, denn selbstverständlich spielt diese Kurzgeschichte um halb drei Uhr nachts. Aber wenn jemand da draußen ist, dann weiß ich ziemlich genau, was sie ihm zeigen: Mich. Allein.

    Ich bin jetzt seit einer Woche allein hier. Man könnte damit anfangen, wie die Wohnung, in der ursprünglich vier Leute gelebt haben, über die Jahre immer leerer wurde, bis es am Ende nur noch zwei waren. Aber eigentlich gibt es überhaupt keinen Grund, diesbezüglich sentimental zu werden. Also fangen wir beim profanen Grund für mein Alleinsein an: Die andere Person, die hier noch wohnt, ist auf eine dreiwöchige Reise ans andere Ende der Welt gegangen.

    Auch das ist für mich kein Anlass für Sentimentalität. Wir haben nämlich eigentlich recht wenig miteinander zu tun. Wenn ich heimkomme, sitzt sie vor dem Fernseher und schaut irgendeinen Krimi, eine Politsendung oder ein Melodram an, das ansonsten wahrscheinlich nur in meinem persönlichen Guantanamo läuft. Wenn sie heimkommt, sitze ich vor dem Computer und versuche erfolglos, mit irgendeinem meiner "kreativen Projekte" voranzukommen. Wir sagen hallo und ziehen uns schnell zurück. Warum sollte es also einen großen Effekt auf mich haben, wenn sie jetzt drei Wochen nicht da ist?

    Es liegt an diesem Ort. Ich habe in dieser Wohnung schon als Kind Angst gehabt, und selbst wenn ich nicht alleine bin, befinde ich mich ständig in einem Zustand erhöhter Wachsamkeit. Ich gehöre zu den Leuten, die zwar auf voller Lautstärke Musik hören, wenn sie um Mitternacht von der U-Bahn nach Hause gehen, aber sobald sie die Eingangstür hinter sich geschlossen haben panisch die Kopfhörer rausreißen und lauschen, ob jemand in der Wohnung ist. Ich bin auch schon am hellen Nachmittag mit einem Küchenmesser durch die Flure geschlichen und habe versucht, genug Mut zu fassen um die Schranktüren zu öffnen. Leider ist die Wohnung so unübersichtlich, dass man auch noch hinten und seitlich am Kopf Augen haben müsste, um das Gefühl zu vertreiben, dass sich gleich aus irgendeiner Richtung jemand auf einen stürzen wird. Man kann sich vorstellen, was passiert, wenn man hier längere Zeit allein ist. Richtig: Die Wohnung bekommt Shining-Qualitäten.

    Dabei ist sie gar kein eingeschneites, von der Aussenwelt abgeschnittenes Hotel. Sie ist, wie gesagt, ein Schuhkarton in einem Schuhkarton, der seinerseits nur einer von vielen in dieser eigenartigen Schuhkartonkolonie ist. Aber dass ungefähr fünf Meter rechts von mir Nachbarn schlafen kann man hier sehr leicht vergessen. Es ist ja nun auch nicht so, als ob ich mich darauf verlassen könnte, dass sie herübereilen würden, wenn ich um Hilfe rufen würde; wahrscheinlich wären sie schon stolz darauf, der Polizei mit hilfreichen Angaben zur Tatzeit dienen zu können ("Richtig, ja, um halb vier hörte ich plötzlich Hilfeschreie und so ein penetrantes Geräusch wie von einer Kettensäge, aber ich habe mir nicht viel dabei gedacht. Jetzt im Nachhinein macht das natürlich auf schreckliche Weise Sinn..."). Naja. Trotzdem würde es helfen, wenn man sich nicht wie der letzte Mensch auf Erden fühlen würde.

    Wenn ich dieses Gefühl vertreiben will, und wenn ich mich in die Dunkelheit hinaus wage, dann klettere ich auf das Balkongeländer und zähle die Fenster, in denen noch Licht an ist. Es sind dreißig. Ich frage mich, ob eines davon auch zu der Wohnung gehört, aus der vor ein paar Tagen ein Eisblock geworfen wurde, der beinahe eine Frau erwischt
    ( und vermutlich getötet ) hätte. Die Betreffenden verleben sicher auch eine wunderbare Nacht. Naja. Es kann natürlich auch sein, dass sie ne Party feiern und sich ärgern, dass sie nicht getroffen haben. Ich sollte nicht immer von mir auf andere schließen...

    Mein anderes Fenster zur Welt ist Firefox 3.013. Ich habe so meine Rituale. E-Mails checken, schauen, ob jemand was in irgendeinem der von mir besuchten Foren geschrieben hat, schauen, ob der Newsticker irgendetwas Neues vermeldet. Weil ich das ungefähr zehn mal pro Stunde mache, ist meistens nichts davon der Fall.

    Allein zu sein verändert mich radikal, aber es dauert einige Zeit, bis ich es wirklich merke. Wenn ich jetzt zum Beispiel mit anderen zusammen bin, dann brauche ich viel länger als sonst, um aus meinem Einsamkeitsmodus rauszukommen. Ich verliere den Überblick darüber, ob ich gerade wirklich jemandem schreibe oder ob ich quasi mit mir selbst rede. Ich lese beim Essen nicht mehr die Zeitung, sondern ich schalte den Fernseher an.

    Und immer die Wachsamkeit. Die Adrenalinschübe bei jedem Geräusch. Das Gefühl, permanent beobachtet zu werden. Durch die kleinen Schlitze in den Vorhängen, die sich einfach nicht schließen lassen. Das Gefühl, dass hier außer mir noch jemand ist. Ich kann ihn beinahe denken hören. Und schließlich die Totenstille, wenn ich um vier Uhr morgens endlich den Computer ausschalte und von ein paar Drinks betäubt ins Bett schleiche.

    Nachwort:
    Diese melodramatische Kurzgeschichte, die nachts im ZDF und in meinem persönlichen Guantanamo gezeigt wird, stellt eine emotional zerrüttete und psychisch instabile Person dar, die mit ihrer bitteren Ich-Erzählung versucht, aus der Einsamkeit der anonymen Hochhaussiedlung in die scheinbare Geborgenheit und Geselligkeit des nicht minder anonymen World Wide Web zu flüchten. Wir hoffen, Sie haben diesen unverfälschten Blick auf die soziale Kälte der 00er Jahre samt allen Klischees, Ideosynkrasien und literarischen Anspielungen genossen und schalten morgen wieder ein!

    Ihr Mitternachtsblog-Webteam!

  • Unvorstellbarer Kater - der Abgrund fällt zurück!

    Endlich schaffe ich es, aufzustehen. Ich hab schon die ganze Nacht so Durst und ich brauch dringend ne Aspirin. Ich schiebe den Mantel beiseite, unter dem ich geschlafen habe, klettere aus Káosz Zimmer und tapere in ein völlig fremdes Zimmer.
    "WO IST DAS PORZELLAN?!??!?" schreit jemand, die Tür zu Káosz Zimmer fliegt auf und ich stelle fest, dass ich immer noch neben Káosz im Bett unter meinem Wintermantel liege. Alles nur ein Traum. Ich erschrecke fürchterlich - und wache schon wieder auf, Káosz ebenfalls. Ich brauche einen Moment, um zu begreifen, dass niemand ins Zimmer gekommen ist. Alles nur ein Traum. "Lustig," sagt Káosz, "ich hab irgendwas von Porzellan geträumt! Vielleicht hab ich ja im Schlaf gerufen!" Wie auch immer, wenigstens kann ich mir jetzt ne Aspirin holen. Ich stehe auf und - wache auf und liege neben Káosz im Bett unter meinem Wintermantel. Ich glaube, diesmal bin ich wirklich wach. Ich sehe ein, dass ich gestern definitiv zu viel getrunken habe, denn wenn man weder schlafen noch aufwachen kann, ist irgendetwas schief gelaufen. Und als wäre diese merkwürdige Traumabfolge noch nicht beängstigend genug gewesen, fällt mir schlagartig ein, dass ich in fünf Stunden hinter der Theke in der Bibliothek sitzen und kompetent aussehen soll. Werfen wir einen Blick in den Spiegel, um das Ausmaß der Katastrophe abzuschätzen...
    Oh fuck, mit wem bin ich gestern in eine Prügelei geraten??? Ach so, mit Vodka. Damn, ich glaube, Peter Tägtgren hat Augenringe wie ich...ich hoffe, die Hälfte dieses blauschwarzen Desasters ist nur verschmierter Eyeliner! Aber immerhin verstehe ich jetzt, wie jemand auf den Bandnamen "Thine eyes bleed" gekommen ist...er hat mir einfach nur tief in die Augen geschaut. Meine Haare sehen natürlich aus wie nach drei Tagen Wacken. Wunderbar!
    Jegliche Restaurierungsversuche würden bei meinem gegenwärtigen Zustand alles nur noch schlimmer machen, denn heute ist natürlich einer der Tage, an denen der Abgrund zurückfällt und ich das Gefühl habe, die Erdrotation mit allen Sinnen wahrzunehmen. Außerdem habe ich das Bedürfnis, ein Blogeintrag zu schreiben, es muss also wirklich übel sein!
    Wie ist es eigentlich dazu gekommen? Ja, Frau Drogenbeauftragte, wie kommt es, dass junge Studentinnen sich so gedankenlos betrinken? ( Und jetzt bitte einen besonders besorgten Blick aufsetzen.)
    Also, angefangen hat das ganz harmlos. Káosz und ich hatten tagelang zuhause, bzw. in der Bibliothek geschuftet und wir dachten uns, dass wir eigentlich ein, zwei gepflegte Cocktails verdient hätten. Tja, und wenn man dann schon mal in seiner Lieblingskneipe einen Platz gekriegt hat, und wenn man sich gut unterhält, und wenn man aus Gründen, die ich jetzt besser nicht näher erläutern sollte, die Unterhaltung nicht einfach zu mir oder zu Káosz nach Hause verlegen kann - dann werden aus ein, zwei gepflegten Cocktails ganz leicht auch mal mehr, und manchmal auch zu viel. Zum Beispiel so viel, dass wir dann doch beide zu Káosz wanken...
    Ja, ich hoffe ich habe jetzt hinreichend Aufklärungs- und Präventionsarbeit geleistet, um eine neue Welle hysterischen Anti-Alkohol-Aktionismus zu verhindern, und kann weiter im Text gehen.

    Auch Káosz, die mittlerweile aufgewacht ist, hat das Bedürfnis, unseren Zustand zu dokumentieren, sodass wir kurze Zeit später mit unserer Kamera in der Küche sitzen und uns über die Zeitung aufpissen. Zum Beispiel über den Versuch, Männer dazu zu ermutigen, rosa Hemden zu tragen, "denn schwarz tragen ist nicht mutig". Die gute Frau, die das geschrieben hat, soll sich bitte mal aus meinem Kleiderschrank bedienen und dann durch Neuperlach laufen. Die wird sich wundern, wenn sie auf den Bus wartet und plötzlich eine Horder Hopper auftaucht, die Haltestelle halb zerlegt und dabei "SATAN! SATAN!" brüllt.
    Um auch noch unsere obligatorische Runde South Park zu schauen, bleibt leider keine Zeit mehr, denn der Wecker, den ich wirklich und wahrhaftig letzte Nacht noch gestellt habe, und das sagt jemand, der nicht mehr gradeaus laufen konnte, teilt uns nämlich mit, dass es halb elf ist und ich mich langsam aber sicher wieder in einen menschlicheren Zustand bringen muss. Ich glaube nicht, dass mein Chef es zu schätzen weiß, wenn Miss Hangover 2009 seine Bibliothek bewacht...

  • Nerve deinen Nächsten - eine misanthropische Betrachtung

    Nicht nur, dass ich diesen Blogeintrag schon vor zwei Wochen schreiben wollte - heute tue ich es sogar. Das sagt einiges über meine Arbeitsmoral - noch mehr sagt es allerdings über mein Leben aus, das sich innerhalb der letzten zwei Wochen ja nicht signifikant verbessert zu haben scheint, sonst hätte ich alle gedanklichen Entwürfe zu diesem Eintrag mittlerweile ad acta gelegt.
    Da zwei Wochen eine lange Zeit sind, werde ich bei der Schilderung meiner Auseinandersetzung mit Leuten, die der im Titel genannten Regel folgen, nicht chronologisch, sondern themenspezifisch vorgehen.

    Thema 1: Die Uni ( allgemein )

    Da ich seit einigen Monaten einen Job an der Uni habe, war ich auch in den Semesterferien häufig dort. Nahezu ungestört von allen Stressfaktoren, sprich Mitmenschen, streifte ich in meinen Arbeitspausen durch die leeren Gänge, verweilte kurz vor den gebogenen Fenstern, durch die Streifen von Sonnenlicht auf die roten Fliesen fielen und genoß den Ausblick über den menschenleeren Univorplatz; und mit jeder Woche schien sich der langersehnte Frühling ein Stück weiter zu entfalten. Das alles war natürlich nur möglich, wenn nicht gerade unter extremer Lärmentwicklung inklusive mysteriöser Knallgeräusche vor meinem Arbeitszimmer Renovierungsarbeiten vorgenommen wurden. Dann musste ich mich einer peripatetischen Meditation enthalten und schlenderte stattdessen zum Kiosk, wo mir umgehend ein kühler Pfirsicheistee verkauft wurde, vielleicht sogar mit einem freundlichen Lächeln, was aber zugegebenermaßen eher selten vorkam.
    In der Nacht vom 13. zum 14. April jedoch rückten die Wände der Uni auf unerklärliche Art und Weise zusammen, und als ich am Mittag des 14. Aprils zur Arbeit ging, hatte ich die größte Not, mit meiner mit CDs und Eistee beladenen Tasche einen Weg durch die Menschenmenge vor meinem Arbeitszimmer zu bahnen. Wie Fans vor dem Backstageausgang drängelten sich dort Juristen, nicht gewillt, einem harmlosen Roadie, ähm, Hiwi zwei Schritte aus dem Weg zu gehen. Bitte, ich sorge ja nur dafür, dass ihr eure dämlichen Bücher auch online suchen könnt!
    Im Hauptgebäude bietet sich ein ähnlich schreckliches Bild, wie ich schon am Tag danach feststellen musste. Es wimmelt von Menschen, die es mir, sei es, dass sie im Schneckentempo irgendwo hintrotteln, sei es, dass sie einfach aus Spaß an der Freude im Weg rumstehen, unmöglich machen, ohne einen Anfall akuter Aggressivität von A nach B zu kommen. Dieselben Menschen bilden gewaltige und vollkommen ungeordnete Schlangen vor den Kiosken, was dazu führt, dass die ohnehin nur selten freundlichen Verkäuferinnen lediglich noch in Form von "Näckstää? NÄCKSTÄÄ!!!" und "Da drüben zahlen!" kommunizieren und ich immer wieder überrascht bin, wenn ich bekomme, was ich bestellt habe. Überflüssig zu erwähnen, dass alle diese Leute auch zu jeder Tageszeit die U-Bahnen verstopfen und es unmöglich machen, an der Uni vorbeizulaufen, ohne mindestens dreißigmal auszuweichen, wobei man natürlich auch noch aufpassen muss, nicht von einem Amokradler erfasst zu werden. "Da drehte sie durch: Studentin, 20, prügelt harmlosen Radler tot! Der 35-jähriger Münchner war mit Tempo 60 auf dem Radweg vor der Uni unterwegs, als eine Studentin von der Menschenmenge auf den Radweg gedrängt wurde. Der Radler konnte nicht mehr bremsen und fuhr die 20-Jährige um. Als er seiner verständlichen Wut über ihre Unachtsamkeit Luft machte..." Ich warte auf die Schlagzeile.

    Thema 2: Die Arbeit

    Um nicht missverstanden zu werden: Ich liebe meinen Job, und nein, ich arbeite nicht im örtlichen Plane-arium! Ich arbeite in der Jura-Bibliothek und bearbeite, wie oben erwähnt, den Online-Katalog der Unibib. Diese Arbeit hat allerdings ihre Tücken, von denen ich einige im Folgenden vorstellen möchte:
    Problem Nummer 1: "Müller. Internationales Privatrecht." Gib das mal in die Stichwortsuche ein. Fehlermeldung: Aleph explodiert. Leute mit uninnovativen Namen, die Bücher mit uninnovativen Titeln schreiben, sind einfach nicht suchfunktionskompatibel. Natürlich kann auch das Gegenteil problematisch werden: "Az´n Bjn Kraobslk. Erfrecht neederlandse hollerupsibubsibum" Aha. Wenn ich kein Ergebnis kriege, werde ich nie herausfinden, ob das Buch wirklich noch nicht im Online-Katalog steht oder ob der Verfasser des Kärtchens sich einfach verschrieben hat.
    Umso lustiger wird das, wenn Problem Nummer 2 hinzukommt.
    Problem Nummer 2: Das Kärtchen stammt aus der Bibliothek für Rechtsvergleichung.
    Bei dem Zettelkatalog dieser Bibliothek handelt es sich um instabile Pappschachteln, die bis zum Bersten mit Papierschnipseln gefüllt sind, in seltenen Glücksfällen bedruckte oder sauber beschriebene Zettel von normaler Dicke, in der Regel jedoch um handschriftliches Gekrakel, das bisweilen vermuten lässt, hier habe ein Kind versucht, mit Buntstift auf Butterbrotpapier zu schreiben. Ebenso sehr wie die Qualität der Katalogkarten variiert die Qualität der darauf notierten Informationen. Wenn Verfasser und Titel vollständig dastehen, und nicht etwa "Huber. Das Erbrecht im internationalen Vergleich unter Berücksichtigung...", darf man schon zufrieden sein, eine Jahreszahl stellt einen echten Luxus dar, denn oft ist sie das Erste und manchmal bleibt sich auch das Einzige, was man entziffern kann.
    Problem Nummer 3: Absolute Hassgestalten, -institutionen und -themen.
    Es ist in Ordnung, einmal "Internationales Privatrecht" zu schreiben. Es ist erträglich, es zehnmal zu schreiben. Es ist entnervend, es hundertmal zu schreiben und es ist unzumutbar, es fünfhundertmal schreiben zu müssen.
    Was einen schon nach fünf Mal unerträglich anödet ( ungefähr genauso wie meine für Nicht-Hiwis absolut unverständlichen Ausführungen über meinen Job ), sind Konstrukte wie "Das Amt für amtliche Veröffentlichungen der EU", der 1. bis 23. "internationale Kongress für Rechtsvergleichung" in 23 Bänden mit durchschnittlich 3 Teilbänden pro Band und alles in allem 15 Zweitexemplaren und am besten das Ganze auch noch auf Französisch. Der 1. bis 9. "Jahreskongress des lateinischen Notariats" war zum Glück von so geringem Interesse, dass es im Online-Katalog keinerlei Informationen dazu gab und ich sie demzufolge auch nicht bearbeiten konnte.
    Wenigstens gelegentlich wird man jedoch für solche Torturen belohnt, und zwar mit den schönsten Autorennamen der Welt. Peter Apathy, John Hazard, Adolf von Mess und Johannes Hengstschläger sind bereits gute Freunde von uns.

    Thema 3: Die Uni ( im Besonderen )

    Teil 1: Mittwochmorgen. Soziologievorlesung. Die Vorlesung ist so überfüllt, dass ich in der ersten Reihe Platz nehmen muss. Obwohl wir einen der größten Räume der Uni haben. Zumindest werde ich den Dozenten gut verstehen. Denke ich. Es ist immer wieder beeindruckend: Zwei Leute kommen in eine Vorlesung, in der bekanntlich keine Anwesenheitspflicht besteht, setzen sich in die erste Reihe und...reden. Die ganze Vorlesung über. Das sollte zwar die Akustik noch nicht so sehr stören, dass man Mühe hat, dem Vortrag zu folgen, aber wenn zusätzlich der Dozent beim Sprechen die Hälfte der Silben verschluckt, wird es kritisch. Vielleicht sollte ich mich als Assistentin zur Verfügung stellen, dann komme ich an seine Skripts ran und bin nicht mehr darauf angewiesen, ihn zu verstehen.

    Teil 2: Donnerstagmorgen. Tutorium zur Erkenntnistheorie.
    Ich werde nie verstehen, wer davon profitieren soll, dass Leute, die einen Text nicht verstanden haben, ihn anderen Leuten erklären, die ihn nicht gelesen haben, aber ja: Wir müssen Referate halten. Im Wesentlichen bedeutet das, dass wir eine Veranstaltung damit verbringen, ein Thema erst eine halbe Stunde lang völlig unverständlich, dafür aber nicht weniger umständlich von einer Kommilitonin vorgetragen zu bekommen, deren Vortragsfähigkeiten gegen Null gehen, damit danach die Kursleiterin eine Viertel Stunde lang alles noch mal verständlich zusammenfasst. Der Rest der Zeit geht dann für Diskussionen drauf. Bei manchen Menschen fangen die Verständnisprobleme nämlich nicht erst bei formaler Logik an, sondern ihnen scheint nicht ganz bewusst zu sein, was das Thema der Veranstaltung ist: Nämlich Erkenntnistheorie. Auf die Frage, ob wir wissen können, dass nicht ein böser Dämon uns alle unsere scheinbaren Erkenntnisse, inklusive Logik und Mathematik, eingibt, um uns über alles vollkommen zu täuschen, werfen solche Leute dann ein, gut und böse gehörten doch untrennbar zusammen. Bewusste Person war offenbar von einem Yin-Yang-Dämon gemischt-ethischen Wertes darüber getäuscht worden, dass sie sich nicht auf einem Glücksteekränzchen yogabegeisterter Feng-Shui-Fanatikerinnen befindet, sondern in einem Tutorium zur Erkenntnistheorie. Um nicht missverstanden zu werden: Ich halte ihre Theorie nicht per se für Blödsinn. In diesem Kontext enthüllte ihre Aussage allerdings eine erschütternde Blindheit für die aktuelle Fragestellung. Ob wir den Dämon, der uns eventuell täuscht, gut oder böse nennen, ist im Übrigen relativ irrelevant, weil solche Wertungen vermutlich auch nur eine Täuschung seinerseits darstellen würden.
    Bewusste Person hat allerdings nicht nur ein generelles Problem mit den Fragestellungen der Erkenntnistheorie, sie hat auch eine ihrer wichtigsten Methoden nicht verstanden: Das Gedankenexperiment.
    Kursleiterin: "Nehmen wir einmal an, wir haben einen Wahrsager, der mit seinen Vorhersagen immer recht hat. Würdet ihr sagen, er weiß wirklich, dass das, was er vorhersagt, wahr ist?"
    Kommilitonin: "Aber wie soll das denn überhaupt gehen, ein Wahrsager, der immer recht hat?" Und in nahezu beleidigtem Tonfall: "Das ist doch nur Geldmache!"

    Thema 4: Der Chor.

    Wie bereits erwähnt singe ich in einem Kirchenchor, und diesem Umstand verdankt der Blogeintrag auch seinen Namen, denn welcher Titel könnte passender sein, wenn man von den sinnlosen Projekten eines christlichen Chores genervt ist?
    Projekt Nummer 1 ist ein ausgesprochen ärgerlicher Versuch, Zusammenhalt und Gemeinschaft nach innen und außen zu demonstrieren - indem man den Chormitgliedern eine lächerliche Kostümierung aufzwingt.
    Nicht genug damit, dass wir bei sämtlichen Auftritten, auch bei denen, bei denen wir für das Publikum unsichtbar in der Kirche auf der Empore stehen, unsere regenbogenfarbenen Tücher umhängen müssen, als Symbol für den "Regenbogenchor", wie wir gemeinhin genannt werden. Der Regenbogen wiederum ist weder ein Friedenszeichen, noch eine Anspielung auf die Schwulenszene, sondern soll die Verbindung von Mensch zu Mensch symbolisieren, dies aber nur am Rande.
    Vor einigen Wochen hatte aber eine Sängerin die brilliante Idee, Chorshirts mit einem Regenbogenemblem drucken zu lassen, die wir dann zusätzlich zu den Tüchern zu jedem Auftritt tragen sollten. Brilliant war die Idee einerseits, weil im Regelfall niemand uns, und andererseits, weil im Zweifelsfall niemand den Regenbogen auf den Shirts sieht, weil dieser durch die Tücher verdeckt würde. Hinzu kommt, dass es in der Kirche viel zu kalt ist, um im T-Shirt herumzulaufen, was der Brillianz der Idee natürlich keinen Abbruch tut. Obwohl normalerweise sogar darüber abgestimmt wird, ob wir nach einem Konzert noch zusammen Eis essen gehen, betraf die einzige Abstimmung in dieser Frage, ob wir langärmlige oder kurzärmlige Hemden besorgen sollten. Die Idee an sich wurde keine Sekunde in Frage gestellt.

    Bei Projekt Nummer 2 handelt es sich um die Stücke, die wir derzeit singen. Nun waren wir Brahmsteins Zigeuner-Schmalzetten gerade glücklich
    los, als unser Chorleiter mit der nächsten Katastrophe über uns hereinbrach: Mendelssohn.
    Aus Prestige- oder was auch immer für Gründen müssen wir diesmal nämlich zusammen mit dem anderen Chor Stücke für zwei Chöre singen, was ja an sich schon ziemlich stressig ist, aber umso unerfreulicher wird, je weniger sich die Verwirrung beim Notenlesen ( HÄ? Welche Zeile ist jetzt unsere??? ) lohnt. In diesem Fall lohnt es sich leider gar nicht, denn Káosz und ich kriegen mit zwei Stimmen mehr Action hin als Mendelssohn mit acht. Es soll ja immer noch Leute geben, die eine fugenartige Versetzung ( Erster Chor: Denn du allein bist heilig. Zweiter Chor: Denn du allein bist heilig. ) für innovativ und komplex halten, aber die sind selbst im Regenbogenchor äußerst dünn gesät. Auch die Begeisterung über das großartige Kyrie hält sich in Grenzen - früher war das Sphärenmusik, heute ist das Warteschleifensound. Höhepunkte des Grauens sind Stellen, an denen aus "Denn du allein bist der Herr" aufgrund stimmlicher Mängel ein hysterisches "denn du allain bist DA HÄ!!" wird - und wir werden auch keine Zeit mehr haben, das sauber zu üben - oder der Sopran endlich mit dem heiligen Geiste, bzw ein bisschen tonleiterübungsähnlichem Geträller seine Einsingübungen nachholt, eine Stelle, die leider so eingängig ist ( MENDELSSOHN IST KOMMERZIELL!!! ), dass ich heute auch mit dem heiligen Geiste in die Uni gefahren bin, mit dem heiligen Geiste in Ungarisch saß ( zu der Frage, warum ich nicht Auto fahren kann, hat er leider hartnäckig geschwiegen, so dass ich es den beiden Ungarinnen, die mit uns Konversation trieben, auch nicht sagen konnte ), mit dem heiligen Geiste in der Philosophie-Bib ein offenbar abduziertes Buch gesucht und stattdessen eines über Verschwörungstheorien gefunden habe; und ich würde auch mit dem heiligen Geiste diesen Blogeintrag schreiben, wenn nicht im Hintergrund Nightwish laufen würde - das alte Nightwish, wohlgemerkt. Ich nehm gleich den Elch...
    Weitere Ärgernisse sind die Nationalhymneneinlage, wo wir auf "für das deutsche Vaatähärlaaand" zur Abwechslung mal "Jeeheeheesus Chriihihistuuus" singen dürfen - ich frage mich nur, wer da eigentlich von wem geklaut hat - und Texte wie "Warum toben die Heiden?" - hm, weil Finntroll spielen?

    Ich weiß nicht, ob der heilige Geiste mir helfen kann, einen Regenbogen zu meinen im Weg rumstehenden Mitmenschen zu bauen. Ich kann mir eher vorstellen, sie in den Sumpf zu singen. Ich weiß auch nicht, ob John
    Hazard Philosophiebücher abduziert und ob Peter Apathy einen Song darüber schreiben wird. Ich schätze, ich kann nicht wissen, ob nicht ein böser Dämon mich mit Halluzinationen von unerträglich stressigen Kommilitonen quält. Ich weiß nur, dass es mich unendlich nervt.

  • Gesundheit kann tödlich sein

    Gerade heute hatte ich mich so gut gefühlt. So gesund. Ich war von selbst aufgewacht, fünf Minuten bevor der Wecker mich aus dem Schlaf gekreischt und schon mal für den ersten ungesunden Adrenalinstoß des Tages gesorgt hätte. Ich schaltete in aller Ruhe den Wecker aus, nahm Zettel und Stift zur Hand und schrieb den wundervollen Traum auf, aus dem ich gerade erwacht war, ein Traum, der geeignet gewesen war, alle Restaggressionen vom Wochenende aus meinem Kopf zu verbannen, indem er mir erlaubt hatte, sie intensiv auszuleben. Die blutigen Einzelheiten will ich mir an dieser Stelle mit Rücksicht auf eure Gesundheit sparen. Wie ich nämlich bald darauf lernen sollte, hatten die Gewaltszenen in diesem Traum - obwohl sie den traumüblichen Grad an Absurdität beinhalteten - vermutlich meine Abwehrkräfte bereits so weit herabgesetzt, dass ich jetzt mindestens Anspruch auf die Teilnahme an den nächsten drei Grippewellen habe.

    Der nächste Angriff auf meine Gesundheit wartete bereits. Als nächstes musste ich nämlich meine E-Mails checken, was in mir jedes Mal die Mischung aus Wut und Paranoia wachruft, die ein normaler Mensch eben empfindet, wenn er weiß, dass er die E-Mail an die Freundin grad eben das nächste halbe Jahr nicht leugnen kann.
    Bevor mich allerdings diese gefährliche Gefühlsmischung ergreifen konnte, sprang mich etwas ganz anderes an: "Gehirntumor durch Musikhören". Der web.de-Artikel des Tages enthüllt Gesundheitsrisiken im Alltag!
    Ach, echt, ich dachte Gesundheitsrisiken im Alltag wären der Verzehr von nicht-fettfreiem Biojoghurt oder Passivrauchen beim Vorbeigehen an einer Bar oder Alkoholismus aufgrund von genereller Verzweiflung an der Idiotie der Gesundheitsgesellschaft, aber nein, das geht alles noch besser.

    Risiko Nummer 1: Zu enge Krawatten können zu Erblindung führen.
    Wow, war das früher nicht Wichsen? Meine einzige Hoffnung für die Zukunft besteht darin, dass sie unsere Gesundheitsmythen mal als genauso absurd und reaktionär entlarvt.
    Also, ganz ernsthaft: Wenn ihr eure Krawatten zu eng bindet, erhöht das schon nach drei Minuten den Druck auf die Augen ( wegen des Drucks auf die Halsvenen ), was Krankheiten wie grünen Star begünstigt. Káosz, nimm dich in Acht! Der treffendste Kommentar, den auf web.de jemand dazu abgegeben hat: Jetzt wissen wir ja, warum die Politiker einfach nicht mehr sehen, was eigentlich los ist, obwohl es für alle anderen offensichtlich ist.
    Risiko Nummer 2: Bei einem Fußballspiel auf der Seite der Verlierer zu stehen erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt. Beispiel: Es ist erheblich gesünder, für Bayern München zu sein.
    Hm. Wer hat eigentlich diese Studie gesponsert?
    Risiko Nummer 3: Sie machen einen Spaziergang. Schon ab Temperaturen von sieben Grad risikieren Sie nämlich, von einer Zecke gebissen und mit schweren Gelenkkrankheiten infiziert zu werden.
    Oh nein, aber wissen Sie, was passiert, wenn Sie keinen Spaziergang machen??? Sie bekommen nicht genug Sonne ab ( Vitamin-D-Mangel ) und noch viel schlimmer: Sie bewegen sich nicht genug und verfetten, was bedeutet, dass Sie... unter anderem mit Gelenkkrankheiten gestraft werden, weil ihre Gelenke die schwere Belastung durch Ihr Körperfetts einfach nicht mehr aushalten!!!! Damned if you do, damned if you don´t.
    Risiko Nummer 4: Sie schalten Ihren MP3-Player an. Durch die Lärmbelastung riskieren Sie einen gutartigen Hirntumor, der zur Ertaubung führen kann.
    Naja...wenn schon 80 Dezibel schädlich sind, dann riskiere ich auch nicht mehr, wenn ich in der U-Bahn Musik höre, als wenn ich es nicht tue. Der einzige Unterschied zwischen der Lärmbelastung durch meine Musik und der durch den Lärm der U-Bahn, der Durchsagen und dem Gequatsche der Leute ist, dass meine Musik mich wenigstens nicht entnervt.
    Risiko Nummer 5: Sie räumen Ihren Keller auf. Wenn es dort Mäuse gibt, dann könnte es dort auch gefährliche Hanta-Viren geben, und wenn Sie die Einatmen, sind Sie so gut wie tot. Das Beste daran: Die Symptome sind so unspezifisch, dass Sie gar nicht so sicher sein sollten, dass Sie die Krankheit nicht längst haben!!
    Káosz, du hast gewonnen! Ich hoffe, sämtliche Feng-Shui-Fanatiker, die uns dauernd einreden, man müsste mal ausmisten, Ballast abwerfen, Ordnung schaffen lesen das und kommen zur Vernunft! Wollen die uns alle umbringen???
    Risiko Nummer 6: Vorm Joggen Kaffee trinken. Kaffee verschlechtert die Durchblutung des Herzens, weswegen es bei körperlicher Anstrengung leicht zu einem Herzinfarkt kommen kann.
    Kaffee muss man trinken, um irgendwie den ganzen Tag wachzubleiben. Mein Tipp: Nicht joggen!
    Risiko Nummer 7: Horrorfilme mit viel Blut und Gewalt anschauen! Das schwächt die Abwehrkraft!
    Schade, gerade Splatter-Filme sind für mich immer so ein richtiges Wohlfühlerlebnis! Ich weiß nicht, was mit mir nicht stimmt, aber irgendwie kann ich mich nur entspannen, wenn Hirnmasse durch die Gegend fliegt.
    Risiko Nummer 8: Steak essen. Das Fleisch nimmt beim Kauen an Volumen zu und wenn man das in die Luftröhre kriegt, ist man so gut wie geliefert.
    Ja, das stimmt, das wäre einer Tante von mir fast mal passiert. Hundert Punkte für die einzige vernünftige These des Artikels!!!
    Risiko Nummer 9: Sie kraulen eine Katze. Wenn sie aus Angst zubeißt, können aufgrund der spitzen Zähne Bakterien bis tief in die Haut vordringen und eine Infektion auslösen.
    Echt? Na wenigstens wissen wir jetzt, wie wir Emos von echten Katzenopfern unterscheiden können.
    Risiko Nummer 10: Mundduschen schützen nicht gründlich genug vor Parodontitis und Parodontitis kann über zehntausend Umwegen zum Herzinfarkt führen. Folgerung: Mundduschen können zu Herzinfarkt führen.
    Ich glaube aber, bevor das passiert, ist man schon an zehntausend anderen Dingen gestorben.
    Risiko Nummer 11: Bis zur letzten Minute pennen. Schlaftrunkenheit gibt es nämlich wirklich und sie führt immer wieder zu schweren Autounfällen. Also: Lieber erst mal gemütlich frühstücken.
    ACH SO? ACH SO????? DAS WÜRDE ICH JA GERNE, ABER ICH GLAUBE, DANN KÄME ICH ÜBERHAUPT NICHT MEHR ZUM SCHLAFEN!!!!!!!!!!!!!!!!!
    Sicher, klar, ich werd jetzt nicht gleich in die Arbeit hetzen und dabei das Risiko eingehen, in einen Auffahrunfall mit einer U-Bahn verwickelt zu werden, sondern erst mal gemütlich frühstücken, damit ich nach diesem dämlichen Artikel was zum Auskotzen habe!!!!!!!!!!!!

    Ganz im Ernst: Gleich nach dem Aufwachen mit sowas beschallt zu werden kann doch nicht gesund sein???

  • Everything tastes better with PAIN

    Vorwort. Vor ungefähr neun Wochen:

    Es ist irgendwann zwischen Sonntagabend und Montagmorgen und ich lese mal wieder auf der My-Space-Seite meiner Lieblingsband Hypocrisy herum und gräme mich darüber, dass ich sie in absehbarer Zeit nicht live sehen werde. Dann finde ich einen Link zu PAIN, der Zweitband des Sängers.
    Eine Minute später tanze ich im Zimmer herum. PAIN SPIELEN, PAIN SPIELEN!!!!!
    Eine Stunde später ist meine Begeisterung in intensives Grübeln umgeschlagen. Ich fürchte, es gibt da noch ein paar Probleme...

    Teil I

    Das erste Problem bestand darin, dass PAIN nicht in München, sondern in Bamberg spielen sollten. Man möchte nicht meinen, dass das in einem zivilisierten, erschlossenen, motorisierten Land ein unüberwindliches Hindernis darstellen soll, aber mein Lieblingsfeind Deutsche Bahn tat mal wieder alles, um mir Knüppel zwischen die Beine zu werfen.
    Zwar liegt Bamberg sozialerweise in Bayern, sprich im Geltungsbereich des Bayerntickets, aber die Konzertzeiten waren absolut inkompatibel mit den Geltungszeiten der Fahrkarte. Um mit dem Bayernticket noch zurückfahren zu können, hätte ich genau fünf Minuten nach Konzertbeginn wieder in den Zug steigen müssen. Damit ich hingegen mit dem Bayernticket Night hätte zurückfahren können, hätte der erste Zug nicht erst um vier, sondern schon um viertel nach drei fahren müssen, da das Nachtticket nur bis sechs Uhr gilt. Hätte ich hingegen am nächsten Tag mit einem normalen Bayernticket zurückfahren wollen, hätte ich erst um halb zehn Uhr morgens abfahren können, weil das Bayernticket erst ab neun gilt.
    Wieder einmal drohten die toten drei Stunden zwischen sechs und neun meine Pläne zu ruinieren. Drei Stunden wäre ich gerade noch vorm Bahnhofsgebäude hin und her gelatscht, acht aber mit Sicherheit nicht. Ich meine, ihr glaubt doch nicht, dass man sich unter der Woche in Bamberg in einer Kneipe durch die Nacht saufen kann? Bamberg ist eine dieser Städte, in denen alle Busse nach acht Uhr abends unter Nachtlinen fallen!
    In jedem Fall aber schien das Ganze teurer zu werden, als es zunächst ausgesehen hatte, zumal die Konzertkarte selbst 40 Euro kostete, was daran lag, dass PAIN nur als Vorband zu Nightwish spielten, die bezeichnenderweise mit abnehmender Qualität immer größere Erfolge erzielen. Aber dazu später. Die Geldfrage war ein Problem, weil mein Kontostand sich zu dem Zeitpunkt auf ungefähr hundert Euro belief. Dieses Problem verlor allerdings zwei Tage später an Schärfe, weil ein Teil meines Märzgeldes eintraf. Wie gut, dass der März nur einunddreißig Tage hat...
    Viel Zeit zum Überlegen blieb mir allerdings nicht mehr. Bis zum Konzert am nächsten Mittwoch war es nur noch eine Woche und wenn ich nicht bald eine Karte bestellte, würde sie nicht mehr rechtzeitig ankommen. Nachdem ich zähneknirschend beschlossen hatte, mit den Vier-Uhr-Nachtzug zu fahren und eben den regulären Preis zu zahlen, bestellte ich beim Kartenkiosk Bamberg meine Karte und...wartete.
    Gleichzeitig stellte sich immer wieder die Frage, ob Kaosz auch würde mitkommen können. Da Káosz weder an PAIN noch an Nightwish übermäßig interessiert war, noch gerade übermäßig viel Geld zur Verfügung hatte, sah es für mich zunächst so aus, als würde ich alleine nach Bamberg fahren.

    Dann eröffnete ich meiner Mutter meine Pläne. Ihr war dabei schon sehr unbehaglich zumute - "Was!? Ihr könnt doch nicht nachts vor dem Bahnhof rumstehen!"- als sie noch gar nicht wusste, dass ich möglicherweise würde allein fahren müssen. Als ich ihr das auseinandergesetzt hatte, war sie hellauf entsetzt. "Das geht nicht! Du kannst da nicht die ganze Nacht alleine rumhängen!" Weil sie es mir schlecht verbieten konnte, schlug sie vor, mir eine Nacht in einem Hotel zu zahlen. Das nahm ich mit einer Mischung aus Ärger über diese Einmischung und Dankbarkeit für ihre Großzügigkeit hin, als sie aber verlangte, ich solle von der Halle mit dem Taxi ins Hotel fahren und am besten schon das Taxi rufen, wenn ich "absehen könne, dass das Konzert sich dem Ende zuneige", hatte ich genug.
    Ironischerweise wartete ich dann zum Schluss eine Dreiviertelstunde vor der dunklen (ähem), gefährlichen Halle...und zwar auf meine Eltern. Allerdings nicht alleine.

    Als ich nämlich drei Tage später, am Sonntagnachmittag, nach Hause kam, wartete nicht nur meine Karte auf mich - sehr zu meiner Erleichterung - sondern meine Mutter eröffnete mir zudem, sie und mein Vater würden mich mit dem Auto abholen. Das sollte es auch möglich machen, dass Káosz mitkam. Ich rief sie sofort an und unterbreitete ihr diesen Vorschlag, verbunden mit dem Angebot, ihr etwas Geld zu leihen, damit sie sich an der Abendkasse noch €eine Karte kaufen konnte. Káosz nahm gerne an und so weit schien alles in Ordnung.

    Als ich Sonntagabend allerdings zum hundertausendsten Mal auf die Myspace-Seite von PAIN ging, weil ich plötzlich Paranoia hatte, ich könnte alles falsch verstanden haben und in Wirklichkeit würden nur Nightwish spielen - weder auf der Karte noch auf der Seite des Veranstalters stand etwas davon, dass PAIN spielen würden - wurde ich auf einmal auf einen Kommentar aufmerksam, den irgendjemand auf ihrer Seite hinterlassen hatte: "I´m sorry about what happened to you. I kiss all your stiches." Der Kommentar war ziemlich aktuell und leicht beunruhigt fragte ich mich, ob irgendjemand aus der Band sich verletzt hatte, vielleicht sogar so sehr, dass sie die Tour abbrechen mussten. Ich ging auf die offizielle Seite von PAIN und schaute unter NEWS, aber da stand nur ein Ausschnitt aus einem Blog-Eintrag, indem es darum ging, wie der Bassist während einer Aftershow-Party über die Bar gesprungen war und sich am Arsch verletzt hatte und leicht befremdet fragte ich mich, ob sich der Verfasser oder wohl eher die Verfasserin des Kommentars darauf bezogen hatte.
    Erst als ich später am Abend in einem völlig anderen Zusammenhang auf den Wikipedia-Eintrag zu PAIN ging, fand ich heraus, dass besagter Bassist mittlerweile ganz andere Verletzungen hatte - und nicht nur er. Er, der Drummer und Peter, der Sänger, waren nach einer Party in Leipzig zusammengeschlagen worden und mit Gehirnerschütterung, gebrochener Nase und Schnittwunden ins Krankenhaus gebracht worden. Als Quelle dafür war ein Artikel angegeben - der aber dummerweise auf Schwedisch war! Ich meinte, ein paar Zeilen zu verstehen, aber ich hatte absolut keine Geduld, über dem Text zu rätseln. Ich mailte Káosz den Link, in der Hoffnung, bald mehr zu erfahren.
    Ich ging noch einmal auf die Seite von PAIN und fand diesmal einen Link zu ihrem Tourblog. Da fand ich eine englische Zusammenfassung dessen, worum es auch in dem Artikel ging. Sie waren in Leipzig von Unbekannten hinterrücks angegriffen worden und hatten in Folge ihrer Verletzungen ihre Show für den nächsten Tag absagen müssen. Alles weitere stand noch nicht fest.

    Ich versuchte verzweifelt herauszufinden, ob sie seitdem wieder irgendwo gespielt hatten.
    Das nächste Konzert nach dem, das sie abgesagt hatten, sollte - an diesem Sonntagabend stattfinden, sprich: Es musste eigentlich schon vorbei sein, denn mittlerweile war es drei Uhr morgens. Weder auf der Seite des Veranstalters, noch auf der Myspace-Seite stand allerdings, ob PAIN gespielt hatten oder nicht. Da fiel mir als letzte Möglichkeit das StudiVz ein. Es gab dort eine PAIN-Gruppe und vielleicht war von denen jemand auf dem Konzert gewesen, den ich fragen konnte. Dem war aber nicht so. Die Gruppe hatte noch nicht einmal mitgekriegt, dass PAIN zusammengeschlagen worden waren. Ich war kurz davor, zu resignieren, als mir einfiel, dass die Hauptband ja Nightwish war. Die Nightwish-Gruppe war wesentlich aktiver und von ihnen war bestimmt jemand auf dem Konzert gewesen. Tatsächlich.
    Sobald ich die Gruppenseite aufrief, überschlugen sich die begeisterten Irren mit Kommentaren. Trotzdem hatten sie eine Sekunde Zeit, mir meine Frage zu beantworten, beziehungsweise: Ich musste nur sechs Minuten warten, um zu meiner Erleichterung bestätigt zu bekommen, dass PAIN gespielt hatten. Einer fügte sogar noch hinzu, die letzten zwei Songs hätten "gut gerockt". Er war auch der Einzige, der sich sehr kritisch zu Nightwish äußerte, und diese beiden Sachen zusammen trugen ihm sofort meine grenzenlose Sympathie ein.
    Am nächsten Morgen fand ich dann auch eine komplette Übersetzung des Zeitungsartikels in meinem Postfach ( Danke, Káosz!!! ), die mir bestätigte, dass mehrere Ärzte dem Drummer erlaubt hatten, zu spielen und für den Notfall auch ein Ersatzdrummer zur Verfügung stand.
    So war es dann auch eher Anlass zur Belustigung als zur Beunruhigung, als PAIN als nächstes zwei zutiefst genervte Blogeinträge darüber verfassten, dass sie von der Nürnberger Polizei auf Drogen untersucht und alles in allem fünf Stunden lang aufgehalten wurden. Die kleinen grünen Männchen müssen ihnen sogar Blut abgenommen haben...

    Teil II

    Mittwochmorgen, acht Uhr. Eine versiffte, verschlafene langhaarige Gestalt mit tiefen Schatten um die Augen torkelt aus dem Bett und stolpert in T-Shirt und Unterhosen in den Flur und - nein, wird nicht bei dem Versuch, einen Schluck Milch zu trinken, von einem Außerirdischen attackiert, sondern schlurft erst mal ins Bad, um sich selbst wieder in einen etwas menschlicheren Zustand zu bringen. Danach sind auch die letzten Überreste des gestrigen Katers unter Kontrolle und bewusste Gestalt, jetzt schon etwas weniger verschlafen und versifft, kann Káosz anrufen, um sicherzugehen, dass alles nach Plan läuft.
    Das tut es. Bleiben noch knapp zwei Stunden, bis der Zug abfährt. In denen wird Proviant für die Fahrt eingekauft - Chips, Brezen und EISTEE, OH MEIN GOTT EISTEE!!!! - so ganz ist der Kater wohl doch noch nicht besiegt. Dann ist gerade noch Zeit, zu beschließen, dass ein TUSKA-Shirt fast so gut ist wie ein PAIN-Shirt, das ich leider noch nicht habe, zum tausendsten Mal zu checken, ob ich die Karte habe, diese, meinen Block, meinen Geldbeutel, meinen I-Pod und einen Kajalstift über meine Hosentaschen zu verteilen und - aus dem Haus zu gehen. So sehr hätte ich mich gar nicht beeilen müssen, denn als ich um halb elf am Hauptbahnhof angekommen bin, ein Bayernticket gekauft habe und schließlich zum Treffpunkt gegangen bin, stelle ich fest, dass ich die Erste bin - und Káosz lässt auf sich warten. Natürlich werde ich nervös, obwohl wir ebenso gut einen späteren Zug nehmen können; ich werde immer nervös, wenn ich warte. Da ich kein Handy habe ( siehe letzter Eintrag ), kann ich Káosz auch nicht erreichen.
    Zum Glück werden meine Nerven nicht allzusehr strapaziert, denn gut zehn Minuten vor Abfahrt des Zuges kommt Káosz durch die Bahnhofshalle gebounced. Als allererstes hat sie allerdings schlechte Nachrichten: Sie hat ihr Handy vergessen. Das ist ihr zwar schon auf dem Weg zum Bus eingefallen, aber wenn sie zurückgelaufen wäre, hätte sie den Bus verpasst, weswegen sie erst zwei U-Bahnen später hätte nehmen können, weswegen wir den Zug verpasst hätten, was bedeutet hätte, dass ich einen Budapest-Flashback erlebe, weil sie mich ja nicht hätte anrufen können, um mich vorzuwarnen, weil ich ja kein Handy habe... Der langen Rede kurzer Sinn: Ich muss noch schnell zum Münztelefon ( zum Glück gibt es so was noch ), um meiner vermutlich erbosten Mutter mitzuteilen, dass wir kein Handy haben und somit auch nicht erreichbar sind. Ich glaube, sie denkt, ich mache das absichtlich...

    Im Zug erweist sich Káosz dann aber als wahrer Gott: Sie hat die Reste vom Braten von Montag eingepackt!!! So bekomme ich heute doch noch etwas Vernünftiges zu essen. Das ist auch dringend nötig, weil wir entgegen der Fahrtrichtung sitzen und das den Überresten meines Katers, die ich nach dem Duschen eigentlich für beseitigt hielt, neuen Auftrieb gibt.
    In Nürnberg müssen wir umsteigen, mit einer Stunde Aufenthalt. Das bietet uns nicht genügend Zeit für eine Shoppingtour im Underground, allerdings mehr als genug Zeit, uns darüber aufzuregen, dass die einzige Toilette im ganzen Bahnhof von McClean betrieben wird, der für einmal Pissen 1,10 Euro verlangt. Ich kann ihnen ja mal vorschlagen, jedem einen Burger gratis mit dazuzugeben, dann sind sie preislich auf McDonald´s-Niveau und haben das Mc in ihrem Namen verdient. Nein, im Ernst, wenn ich mal viel Zeit und Geld und einen guten Anwalt habe, verklage ich sie wegen Nötigung und außerdem wegen Diskriminierung von Frauen, Männer zahlen nämlich "nur" 80 Cent. Möchte mal wissen, wie viel die bezahlt haben, die ihnen ins Hirn geschissen haben!
    Ein Kurztrip durch die Nürnberger Fußgängerzone heitert uns jedoch gleich wieder auf. Die Plakate für die anstehende Kommunalwahl sind hier nämlich erheblich lustiger als in München: Nicht nur, dass es eine Partei gibt, die sich "Die Guten" nennt; sie fordert auch noch den Erhalt und Ausbau des örtlichen Plane(t)ariums, was alle unsere Vermutungen bezüglich einer weltweiten South-Park´schen Astronomenverschwörung ( die natürlich mit den Aliens im Bunde sind, für die Earth nur eine Reality-Show ist ) und der geheimnisvollen Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und Colorado bestätigt.

    Nach einiger Verwirrung um unseren Anschlusszug ( "ist das jetzt wirklich der Richtige?" ), ergattern wir - dummerweise wieder nur Plätze in Gegenfahrtrichtung, was unserem wieder erstarkenden und völlig unangemessenen Day-after-the-day-after-the-party-Kater überhaupt nicht gut tut. Wenigstens dauert die Fahrt nicht lange und schwupps stehen wir plötzlich in Bamberg auf dem Bahnhof.
    Da ich schon mehr als genug Gelegenheit hatte, mir das Städtchen auf Google-maps anzuschauen, weiß ich auch ziemlich genau, wo wir hinmüssen. Staunend taumeln wir durch die engen, schiefen Gässchen dieser Weltstadt und stellen fest, dass jede, wirklich jede andere Stadt, selbst wenn sie als von historisch und kulturell überragender Bedeutung angepriesen wird, mehr Gutter-Trash-Charme hat als München.
    Irgendwo an einer Brücke versagen dann jedoch meine Ortskenntnisse und nur mithilfe eines mehr oder minder übersichtlichen Stadtplans, der freundlicherweise am ZOB, was auch immer das O zwischen Zentral und Busbahnhof bedeuten soll, aushängt, schaffen wir es, zum Touristenzentrum zu finden, das sinnvollerweise genau in der Mitte dieses Gässchengewirrs liegt. Dort erhalten wir immerhin einen kostenlosen Stadtplan und setzen uns erst mal auf eine kleine Bank am Fluß mit Blick auf das schwimmende Rathaus. Leider verschandeln wir die Aussicht, in dem wir unsere schwachen Mägen erstmal mit Chips füttern. Wenigstens die muss ich nicht mehr mit mir rumschleppen.
    Als wir weiteres Rumsitzen nicht mehr rechtfertigen können und uns im Übrigen langsam kalt wird, machen wir uns auf den Weg zur Kathedrale auf dem Hügel Golgotha oder wie auch immer die Erhebung heißt, die wir hinaufkeuchen. Dabei laufen uns die ersten und einzigen drei Metaller über den Weg, die wir auf während unseres Aufenthalts in der Bamberger Innenstadt sehen werden.

    Nachdem wir den Hügel wieder hinabgestiegen sind, laufen wir noch ungefähr zehntausend Mal am schwimmenden Rathaus vorbei, beneiden die Häftlinge der Jugendvollzugsanstalt Bamberg um die zentrale Lage ihres Domizils und den schönen Blick über den Fluß, trinken an einer windigen Bushaltestelle den Eistee aus, so dass ich endlich den Beutel in die Hosentasche stecken kann und finden schließlich nach der O2-Laden-Methode ein gemütliches kleines Cafe, in dem wir die restliche Stunde absitzen werden, bis wir uns auf den Weg zum Bus machen müssen.
    Was uns jedoch allmählich ein wenig beunruhigt, ist der auffällige Mangel an Metallern. Richtiger Tag? Richtige Stadt? Ich hatte ja nicht gerade erwartet, mit Káosz noch ein bisschen über einen spontan eingerichteten Mittelaltermarkt zu streifen und mit fünfzehn neuen Bekannten um einen Kessel heißen Met zu tanzen, aber langsam fragen wir uns, ob PAIN uns ein kleines Privatkonzert für zwei werden liefern müssen. Was wirklich hinter diesem Mangel an Metallern steckt, wird uns klar, als wir die ersten Töne von Nightwish hören, aber dazu später mehr.

    Durch die nunmehr dunklen Gassen Bambergs eilen wir zur Marienbrücke, wo sich - laut meinen Nachforschungen - eine Haltestelle der Linie befinden muss, mit der wir zur Jako-Arena kommen. Aber sie ist nicht da.
    Weder vor der Brücke. Noch nach der Brücke. Noch auf der Brücke. Im Fluß schauen wir nicht nach, wir haben uns an die örtlichen Kuriositäten noch nicht so weit gewöhnt, dass wir von schwimmenden Haltestellen ausgehen. Stattdessen fragen wir eine der wenigen Passantinnen, die zwar zuerst davon auszugehen scheint, dass ich sie um Geld anschnorren oder womöglich gleich ausrauben will, uns dann aber sehr freundlich erklärt, dass die Haltestelle in einer Querstraße gleich hinter der Brücke liegt, der Bus müsste in sieben Minuten kommen.
    Erleichtert, aber trotzdem ungeduldig stehen wir an der Haltestelle und warten auf den Bus.
    Aber er kommt nicht. Wir haben keine Uhr und die Tatsache, dass wir beide außerordentlich dringend aufs Klo müssen könnte auf fünf Minuten warten schon mal zehn machen, aber ein weiterer Passant bestätigt, dass wir schon seit knapp einer Viertelstunde warten. Gefühlte zwanzig Minuten später schimmern grüne Lichter in der Ferne auf. Ein Bus?

    Im Bus finden sich auch endlich ein paar von den Metallern, die wir heute in der Innenstadt vermisst haben. Vor der Jako-Arena sind dann sogar längere Schlangen, als uns lieb sein kann, denn mittlerweile müssen wir so dringend, dass wir sogar zu McClean gehen würden.
    Aber ausnahmsweise ist das Glück uns hold: Erst verkauft uns jemand eine überschüssige Karte, sodass wir es uns sparen können, uns an der Abendkasse anzustellen, und dann beschließen wir, einmal an der langen Schlange vor dem Eingang vorbeizugehen... und tatsächlich: Gleich daneben befindet sich eine Schlange, die vielleicht nur ein Fünftel so lang ist. Natürlich glauben wir nicht an dieses Glück. Das muss ein VIP-Eingang sein! Wir nehmen das Risiko, mit Schimpf und Schande zurück zu den Normalsterblichen geschickt zu werden, auf uns und reihen uns ein. Als wir fünf Minuten später im Foyer stehen und nach einem Klo Ausschau halten, können wir noch nicht so ganz glauben, dass das einzige Elitekriterium dieser Schlange war, dass man schlau genug sein musste, sie zu finden.

    Wir haben gerade noch genug Zeit, aufs Klo zu gehen, unsere Jacken und Sweatshirts an der Garderobe abzugeben, ein Stück Pizza zu essen und uns Bandshirts und einen Becher Cola zu kaufen und dann gleich noch mal aufs Klo zu gehen, und uns anschließend in der Konzerthalle irgendwo in die ersten zehn Reihen zu quetschen, bis die Lichter ausgehen und - den Geräuschen nach zu urteilen - ein UFO Peters Blumenbeete zerquetscht.
    Davon, dass PAIN fünf Tage vorher noch im Krankenhaus waren, merkt man nichts. Im Gegensatz zu Tuomas haben sie das Headbangen nicht verlernt und abgesehen davon, dass der Gig viel zu kurz ist - was allerdings wohl nichts mit der Prügelei zu tun hatte - ist alles perfekt. Es gelingt mir neben dem ganzen Headbangen, Auf-und-ab-Wippen-und-versuchen-etwas-zu-sehen und mich freuen sogar, eine nahezu komplette Setlist mitzuschreiben, trotz fehlender Ansagen.
    Und nach der wie bereits erwähnt viel zu kurzen halben Stunde bin ich viel zu froh, dass überhaupt alles geklappt hat, als dass ich traurig sein könnte, dass es schon vorbei ist.
    Das Einzige, was extrem gestört hat, waren die Typen hinter uns, die wohl noch nie davon gehört haben, dass man bei einem Metal-Konzert Haare ins Gesicht kriegen kann. Leute, wenn euch das stört, bestellt einen Rangplatz!
    Die Fans sind sowieso etwas merkwürdig. Nicht nur, dass Káosz und ich die Einzigen sind, die PAIN-Shirts tragen - fast alle anderen tragen Dark-Passion-Play-Shirts, was ganz unwillkürlich den Eindruck erweckt, dass sie nicht nur keine anderen Metalbands kennen, sondern wahrscheinlich noch nie davon gehört haben, dass Nightwish auch andere, sprich bessere Alben als DPP veröffentlicht haben. Der angewiderte Ernst, mit dem die Fans unsere Schlacht um eine Haarbürste verfolgen, legt dann auch nahe, dass sie privat entweder Kylie Minogue oder Mayhem hören.
    Als dann das Licht ausgeht und die ersten Töne von "Bye-bye, beautiful", einer ressentimentgeladenen, von Selbstmitleid triefenden Anklageschrift gegen die frühere Sängerin Tarja, erklingen, und insbesondere als Anette, die neue Sängerin, ihr zartes Popstimmchen ins Mikrofon quäken lässt, wird uns schlagartig klar, dass wir vermutlich nicht von Black Metalern, sondern von Mainstream-Leuten umgeben sind - und uns wird klar, warum heute in der Stadt überhaupt so wenig Metaller unterwegs waren: Sobald das Nightwish Konzert angekündigt wurde, sind sie HALS ÜBER KOPF GEFLOHEN!!!! Uns bleibt nur, Anettes Gequietsche mit Dani-Filth-likem Entsetzensgeschrei zu übertönen.

    Zwischen den breigen, schwammigen, irgendlichen Orchesterpopsongs, aus denen im Kern das neue Nightwish besteht, kommen ein paar gute alte Stücke, die uns das ganze Ausmaß der Katastrophe vor Augen führen: Anette singt Wishmaster. Der musikalische Super-GAU meines Lebens. Danach erscheint selbst ihre Version von Wish I had an Angel wie eine Gnade. Wer das alte Nightwish nie kennengelernt hat, und wer nie Zeuge von dessen Verstümmelung geworden ist, der kann den Horror nicht verstehen, der aus diesen Worten spricht. Anette. singt. Wishmaster. Stellen Sie sich vor, Britney Spears würde sich als Opernsängerin versuchen. Vielleicht hilft das, mein Entsetzen zu verdeutlichen.
    Glücklicherweise war dieser Song der Vorletzte, sodass wir bald darauf unsere Mäntel holen und ins Freie wanken konnten.

    Dort hielten wir angestrengt nach meinen Eltern - und vielleicht auch ein wenig nach dem Backstage-Eingang - Ausschau. Wir hatten keinen festen Treffpunkt vereinbaren können, weil niemand von uns gewusst hatte, wie es vor der Halle aussah. Natürlich gab es mehrere Parkplätze und mehrere Aufgänge zum Halleneingang.
    Irgendwann entdeckte ich neben meinem Beobachtungsposten -ein Münztelefon. Ich fischte etwas Kleingeld aus meiner Hosentasche und rief meine Mutter auf dem Handy an.
    "Wo seid ihr?" fragte ich sobald sie abnahm, vielleicht etwas schroff, aber das Telefon piepte schon jetzt nach mehr Geld und mehr hatte ich nicht.
    "Kurz nach Nürnberg!" antwortete meine Mutter.
    "Wann seid ihr da?" fragte ich knapp.
    "Ach, ist das Konzert schon aus?"
    JA! JAAAA, VERDAMMT, SONST WÜRDE ICH NICHT ANRUFEN, WEIL ICH DANN DRINNEN WÄRE UND GAR NICHT WÜSSTE, DASS IHR NOCH NICHT DA SEID!!!!! UND IM ÜBRIGEN HABE ICH KAUM NOCH GELD, SAG MIR EINFACH, WIE LANGE IHR NOCH BRAUCHT!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
    "Ja. Wann seid ihr denn da?"
    "Moment." Im Hintergrund: "Du, wie lange brauchen wir denn noch?" "Dreiviertel Stunde." "Dreiviertel Stunde?" Zu mir: "Also eine dreiviertel Stunde."
    "Okay, wir treffen uns...." piep piep piep "...VOR DEN TREPPEN, DIE DIREKT ZUM HAUPTEINGANG DER HALLE FÜHREN, OKAY???"
    "Ähm, okay, ähm, wie genau, ähm?"
    "DAS FINDET IHR SCHON, ICH HAB KEIN GELD MEHR! ES GIBT NUR EINEN GROSSEN EINGANG!!!"
    "Okay."
    piep
    Blieb also eine Dreiviertelstunde Zeit, den Backstage Eingang zu suchen und sinnlos mit ein paar Nightwish-Fans davor zu stehen und den Roadies beim Einpacken zuzuschauen. Das war uns schon nach etwa zwanzig Minuten langweilig und wir schleppten uns zurück zum Haupteingang, um zu sehen, ob nicht vielleicht doch schon mehr Zeit vergangen war oder meine Eltern doch früher kamen.
    Dort bot sich uns dasselbe Bild und wir waren schon kurz davor, unsere Hilfe anzubieten, einfach, um irgendetwas zu tun zu haben, als schließlich doch noch ein dunkelgrüner Opel auf den Parkplatz einbog.

    Semmeln, Eistee und Musik konnten uns nicht lange wach halten und als ich die Augen wieder aufmachte war es drei Uhr nachts und wir hielten gerade vor unserem Haus. Die seltsamen Bilder, die ich halb im Schlaf auf der Fahrt wahrgenommen hatte - Sternschnuppen? Der rote Mond? Eine brennende Fabrik? - schwirrten mir noch eine Weile im Kopf herum, doch bald schlief ich weiter, diesmal auf der Couch im Wohnzimmer neben Káosz. Uns stand ein langer, anstrengender Arbeitstag bevor, ohne Augenringbonus für guten Musikgeschmack.

  • Was soll denn das für ein Scheißleben sein?

    Dieser Satz stammt aus einem Buch, das ich heute gelesen habe. Eigentlich soll es eine Medien- und Gesellschaftssatire darstellen, aber ich glaube, es ist eigentlich ein Buch, das nur geschrieben wurde, um mich darüber hinwegzutrösten, dass mein Leben im Moment aussieht wie eine Bürokratiesatire, die Sonntag Abend im Fernsehen läuft, damit sich alle schon mal wieder daran erinnern können, warum sie keine Montage mögen.

    Fangen wir von vorne an, mit einer eher erfreulichen Nachricht. Zwei Wochen vor Weihnachten gelang mir endlich, was ich schon seit Monaten versucht hatte: Ich fand einen Job an der Uni. Um den antreten zu können, braucht man natürlich allerlei Dokumente, die ich, da dies mein erster richtiger Job ist, allesamt noch nicht besitze. Die geforderte Lohnsteuerkarte bekam ich glücklicherweise ziemlich schnell. Ein echtes Problem hingegen habe ich mit meinem Sozialversicherungsausweis.
    Nun sollte der eigentlich gar keine Schwierigkeiten machen. In der Regel bekommt man ihn, weil der Arbeitgeber die Einstellung der Krankenkasse des Arbeitnehmers meldet und diese sich an die Rentenversicherung wendet. Schwupps, ist der Sozialversicherungsausweis da. In Sonderfällen heißt "schwupps" auch mal ein halbes Jahr, aber das sollte sich normalerweise nicht so schwierig gestalten. Nur habe ich leider das Glück, als ersten Job einen Job an der Uni zu haben. Und die bearbeitet keine Verträge, wenn kein Sozialversicherungsausweis vorliegt. Mit anderen Worten sehe ich mich in der absurden Situation, dass ich ohne Sozialversicherungsausweis den Job nicht kriege, ohne Job aber auch keinen Sozialversicherungsausweis.
    Da meine zukünftige Chefin nicht so stur ist wie die Uni, kann ich den Job zunächst auch ohne Sozialversicherungsausweis antreten. Nur wann ich dann Lohn dafür kriege hängt von der Gnade der Deutschen Rentenversicherung ab.
    Aus diesem Grund bemühe ich mich eifrigst um einen Sozialversicherungsausweis. Als erstes ging ich auf die Seite der Deutschen Rentenversicherung und entnahm ihr, ich müsse mich an die lokale Stelle wenden. Gut - dann versuche ich mal, meine lokale Stelle zu ermitteln. Es ist zwar keine Adresse angegeben, aber immerhin eine Telefonnummer. Ich rufe an - und erreiche sogar jemanden. Der mir sagt, ich solle meine Daten und einen Antrag auf einen Sozialversicherungsausweis an die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd schicken. Freundlicherweise gibt dieser jemand mir sogar die Adresse. Ich schicke meine Unterlagen noch am selben Tag ab.
    Die Weihnachtsferien vergehen. Ich gestehe auch Beamten Ferien zu, aber als die Uni wieder beginnt und ich noch nichts von ihnen gehört habe, werde ich langsam unruhig.
    Früh am Montag Morgen versuche ich die Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung Bayern Süd telefonisch zu erreichen. Obwohl ich im Minutentakt anrufe, ist die Leitung immer belegt. In höchster Not versuche ich es per E-Mail, ohne mir viel Hoffnung auf Antwort zu machen. Doch wundersamerweise kommt die Antwort. Damit mein Antrag bearbeitet werden kann, muss ich entweder meine Sozialversicherungsnummer oder mein Geburtsdatum und meine vollständige Adresse übermitteln. Gut, ich dachte zwar, das hätte ich per Brief schon getan, aber ich sende der Beraterin sogleich meine Daten.
    Am nächsten Morgen teilt sie mir per E-Mail mit, ich müsse die Daten an die Zentrale in Berlin schicken. Gute Frau, dachten Sie, ich erkundige mich aus Spaß an der Freude oder warum haben Sie das nicht gleich gesagt?
    Immerhin schickt sie mir eine halbe Adresse: Den Namen des Amtes und eine Postleitzahl. Ich gebe den Namen in Google ein und erhalte dank google maps auch sofort eine Adresse - leider mit einer völlig anderen Postleitzahl! Na wunderbar, und welche stimmt jetzt?
    Vielleicht gelingt es mir ja, das morgen herauszufinden, denn eine Telefonnummer hat sie mir auch angegeben. Ich kann nur hoffen, dass da nicht auch dauernd besetzt ist...

    Aber wenn das alles wäre - dann wäre ich vielleicht noch kein glücklicher Mensch, aber ich sähe mich sicher nicht veranlasst, die Geschichte eines jungen Mannes, der unter grotesken Umständen in der Todeszelle landet, als tröstlich zu bezeichnen! Abgesehen von der Ämterodyssee habe ich aber auch noch ganz anderen Stress.
    Bislang lief mein Handyvertrag auf den Namen meines Vaters. Wir hatten ihn nämlich geschlossen, als ich noch zur Schule ging, kein Geld hatte, das Handy ein böses Überwachungsinstrument war und ich gar nicht einsah, auch noch selbst dafür zahlen zu sollen, dass ich meiner Mutter fünfmal am Tag Bescheid sagen musste, wo ich bin und wann ich nach Hause komme. Die Art und Weise, wie ich mein Handy nutze, hat sich seitdem radikal geändert, weswegen mein Vater der Meinung war, ich solle die Kosten jetzt selbst übernehmen, was ja alles recht und billig ist. Nur, dass ich ihnen einen Lagebericht aus Helsinki liefere, können sie dann nicht mehr von mir verlangen.^^
    Nachdem mein Vater also diesen Entschluss gefasst hatte, teilte er mir im September zwischen Tür und Angel mit, er habe meinen Handyvertrag gekündigt und irgendwann werde er wohl ablaufen. Wann, das wusste er nicht so genau - er hatte ihn ja nur abgeschlossen. Wie genau sich das auswirken würde, war wohl weder ihm noch mir klar, und so ging ich, zumal ich die Sache längst vergessen hatte, von einer Störung aus, als mir auf meinem Handy auf einmal nur noch Uhrzeit und Notruf zur Verfügung standen. Und warum hätte ich auch annehmen sollen, dass es an dem abgelaufenen Vertrag lag, dass ich auf einmal keinen Zugang zu irgendwelchen Daten mehr hatte?
    Als mein Vater mal wieder nebenbei den Handyvertrag erwähnte, wurde mir auf einmal klar, welcher Natur diese Störung war. Nun machte ich mir allerdings große Sorgen um meine Daten. Als ich meinen Vater fragte, was denn aus ihnen würde, wenn ich einen neuen Vertrag abschloss, musste ich ihm erst einmal erklären, von was für Daten ich eigentlich sprach. Ich verlange von meinem Vater, der über Handys nur weiß, dass ihre Anbieter "Gangster" sind, ja auch nicht, dass er auf die Idee kommt, ich könnte Videos, Bilder und SMS auf meinem Handy gespeichert haben. Aber von einem Nummernverzeichnis hat er schon mal gehört, oder?
    Und wenn ich diese Daten nicht wieder bekomme, habe ich ein Problem. Ich kenne eine ganze Menge Leute, die dann nie wieder von mir hören, weil ich außer über ihre Handynummern keinen Kontakt zu ihnen habe. Außerdem gibt es eine ganze Menge SMS und Bilder, die ich gerne wieder hätte. Und ganz abgesehen von dem ganzen Problem kann ich mich jetzt auch noch um einen neuen Handyvertrag kümmern.

    Denn ich habe ja sonst nichts zu tun. Nach drei Semestern Studium würde ich gerne meine Fächer festlegen. Man sollte nicht meinen, dass das ein so großes Problem ist, aber da das Abitur nicht mehr viel wert ist, muss man bis in die Nebenfächer hinein Eignungstests bestehen. So sehe ich mich also vor der Schwierigkeit, Philosophieprofessoren schriftlich darzulegen, warum ich ein Fach studieren will, von dessen Inhalt keine feste Definition existiert und ihnen als meine größte Befähigung zu diesem Studienfach meine Bewunderung für unlösbare Probleme zu verkaufen... Ähnliches steht mir in Geschichte bevor, obwohl ich das Fach nur im Nebenfach studieren will. Und obwohl mein Abiturzeugnis allein nicht für ein Studium auszureichen scheint, wollen sie es trotzdem in beglaubigter Kopie, die ich auch noch anfertigen lassen darf.
    Zum Glück ist das alles, was ich zur Zeit für die Uni zu tun habe, nicht wahr?

    Tja...dann wollen wir mal sehen, womit ich mich morgen rumprecken darf!
    Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa.........SCHEISSE!!!!!!!! :)

  • "Ausgebombt!" Rockstars in der Kritik wegen geschmackloser Formulierung!

    Nach dem inoffiziellen Bölverk-Gig am Geburtstag des Bassisten folgte vergangenen Samstag der erste offizielle Gig in vollständiger Besetzung anlässlich des 18. Geburtstags des Schlagzeugers. Da es sich um eine Vorfeier handelte, waren seine Eltern als Aufsichtspersonen eingespannt. Dies verhinderte jedoch nicht schwere Exzesse während der Aftershowparty, die sich bis in die frühen Morgenstunden über ganz München hinzog.

    Zunächst einmal war die Stimmung denkbar schlecht. Die Gäste bestanden zum größten Teil aus Nicht-Metallern, die einer Band wie Bölverk unmöglich die angemessene Begeisterung entgegenbringen konnten, da sie sich "zum ersten Mal in ihrem Leben auf einem ROCK-KONZERT befanden"!!!!! Angesichts so hoffnungsloser Geringschätzung beschloss Káosz, ihren ersten offiziellen Gig doch nicht nüchtern zu spielen. Vodka war ja im Kühlschrank. Die Gäste, die das Problem erst geschaffen hatten, verhinderten aber auch effektiv seine Lösung. Da sie alle miteinander unter 18 waren, gab es Hard-Alk erst ab 22 Uhr, was Káosz dazu veranlasste, allen gegenüber die Vorzüge eines "gesunden Kirschsafts" zu preisen - an dem zum Glück nie jemand gerochen hat.

    Epinephrine berichtet:
    Über den Gig selber muss jemand anderes ein Review schreiben - ich verließ kurzzeitig meinen Groupie-Status und begab mich mit drei Kameras bewaffnet in einen imaginären Fotograben. Das gab mir immerhin Gelegenheit, bisweilen vor Bölverk niederzuknien, wenn auch nur, um nicht ständig die Mikroständer im Bild zu haben.

    Nach dem Gig konnte leider nicht gleich gefeiert werden, weil Bölverk noch abbauen musste und die jüngeren Gäste sich noch dem Jugendschutz beugen mussten. Danach konnten wir auch nicht in voller Besetzung feiern, weil Rhythmusgitarrist T. nach Hause zu seinem Glühweinabend gehen musste - "ihr könnt ja gerne noch vorbeikommen, solang´s vor vier Uhr morgens ist!" - und auch der Bassist und die Keyboarderin sich verabschiedeten. Blieben noch: Das Geburtstagskind. Die Sängerin. Káosz. Und ich. Das durchgeknallte Groupie. Eine ultimative Chaos Crew und bestens geeignet, eine richtige Aftershowparty zu schmeißen.

    Den Anfang machte ich, indem ich, unter den verwirrten Augen der verbliebenen Gäste, auf den Hocker stieg, auf dem zuvor unsere Videokamera gestanden und treu den Bölverk-Gig gefilmt hatte. Meine "Hallo-ich-bin-eine-Kamera"-Einlage endete - NEIN, nicht damit, dass ich, angetrunken wie ich war, vom Hocker fiel - sondern damit, dass der Hocker selbst umkippte. Unseligerweise riss er dabei den wackeligen Stehtisch mit sich, auf dem sich einige halbvolle Gläser und eine brennende Kerze befanden.
    Die nächste halbe Stunde verbrachten Káosz - deren Idee das Ganze gewesen war - und ich damit, Scherben aufzusammen, Kirschsaft aufzuwischen und Wachs von den Fliesen zu kratzen. Die bis dahin verbliebenen minderjährigen Gäste traten daraufhin zügig den Heimweg an.
    Während Káosz und ich noch fürchteten, dass die Eltern des Schlagzeugers uns nun endgültig hassten, kam dessen Mutter auf uns zu rief bestürzt, wir müssten den Boden doch nicht blitzblank putzen! Dankbar stellten wir unsere Reinigungsversuche ein.

    Mit fortschreitender Zeit wurde nicht nur die Stimmung, sondern auch die Musik besser. Als sich Rammstein endgültig gegen COOOOUUUUUUUUNTRRRRYYYYY-MUUUUUSIIIIIC! durchgesetzt hatte, stand auch einer Besen-Gogo-Einlage meinerseits nichts mehr im Weg - meine Hemmungen hatte ich mit exzessivem Longdrink-Konsum bereits beseitigt. Unter den -eher wohlmeinenden denn strengen- Blicken der Eltern legten wir je nach Musik Headbang- oder unmögliche Tanzeinlagen hin und zuletzt gingen auch Mama und Papa selbst mit.
    Trotzdem hatte keiner von uns vor, die Nacht im Route 66 zu verbringen, weswegen Káosz, Echinacina ( die Sängerin ) und ich selbst uns auf den Weg zur S-Bahn machten.

    Für die Strecke vom Route 66 bis zur S-Bahn liegen keine Zeugenaussagen über Exzesse vor, was daran liegen mag, dass sich der Weg in der Nähe der örtlichen Irrenanstalt befindet und Anwohner nächtlichem Geschrei und hysterischem Gelächter gegenüber bereits unempfindlich sind.
    An der S-Bahn erwartete die Chaos Crew jedoch eine unliebsame Überraschung: Die nächste Bahn sollte noch 46 Minuten auf sich warten lassen.
    Diese Zeit verbrachten die angeheiterten Chaoten damit, über die Gleise zu springen, mitten auf dem freien - wenn auch leidlich dunkeln - Feld zu "pissen", wie sie sich auszudrücken belieben, und den restlichen Vodka in der 0,7 l Flasche mit Cola aufzustocken. Groupie Epinephrine schlief mitten auf dem Bahnsteig ein, während Káosz und Echinacina über einen neuen Song diskutierten und eine neue Missetat in dieser langen Nacht der Exzesse ausheckten.
    "Ihr könnt ja gerne noch vorbeikommen, solang´s vor vier Uhr morgens ist!" hatte der Rhythmusgitarrist sie eingeladen und vor vier Uhr morgens war es. Er war sicher nicht davon ausgegangen, dass die Mädchen, in ihrer partysüchtigen Rücksichtslosigkeit ihn beim Wort nehmen würden. Doch genau das hatten sie vor.

    Und so kam es, dass Káosz und Epinephrine nicht etwa brav in Trudering ausstiegen um nach Hause zu torkeln, sondern gemeinsam mit Echinacina in die Stadt hinein fuhren. Im Laufe der Zeit stiegen mehr Leute zu, von denen einer sich von den Chaoten gestört fühlte und das auf äußerst provozierende Art und Weise zum Ausdruck brachte. Ungeachtet der Tatsache, dass er im Kreise von drei Freunden saß, beschimpfte Epinephrine ihn als Arschloch und rempelte ihn beim Aussteigen auch noch an. Da er nicht zum Hopper-Anteil der Stadt zählte, endete das Ganze nicht in einer Prügelei. Stars und Alkohol - eine böse Kombination, die fast immer über Größenwahn zu blauen Augen führt.
    Die Hopper, die den Chaoten über den Bahnsteig hinweg "Saaaataaaan!!!!" zubrüllten, bedachte Káosz, weitaus weiser, dann auch nur mit einem "Jeeeeesuuuuuuus!!!!!!"

    Nun zeigte sich, dass Káosz nicht nur mit Gangstern umgehen kann, sondern auch für nächtliche Odysseen bestens ausgerüstet ist: Sie hatte einen Mini-Stadtplan dabei. Damit fanden die Chaos Crew zwar schnell den Weg zur Glühweinparty, aber nicht so schnell, dass Káosz und Echinacina nicht noch neben der Stadtautobahn hinter einen Busch hätten pinkeln müssen.

    Epinephrine berichtet:
    Nachdem die natürlichen Bedürfnisse erfüllt waren, hatten wir viel Zeit, unseren unfreiwilligen Gastgeber aus dem Schlaf zu klingeln. Nachdem T. sich schlaftrunken gemeldet hatte und ungläubig stöhnend erklärte, ja, in fünf Minuten werde er uns aufmachen, er müsse sich nur erst etwas anziehen, holten wir obendrein auch noch die Videokamera heraus, um sein schlaftrunkenes Gesicht auf ewig festzuhalten.
    Gutmütig wie er war, ließ er uns in der Küche platznehmen, wo noch Plätzchenteller herumstanden, und bot uns Met an. Echinacina nahm dankend an, ich lehnte hingegen ab, da ich seit einem gewissen Wacken-Absturz keinen Met mehr sehen kann. Da es nichts Anti-alkoholisches zu trinken gab, mussten Káosz und ich uns aus Leitungswasser und einem nach Hamsterfutter aussehenden Pulver ein angeblich zitronig schmeckendes Zeug zusammenbrauen.

    Was auch immer das für ein Hamsterfutter gewesen sein mag, bald lagen Káosz und Epinephrine buchstäblich unter dem Tisch, und Echinacina gleich daneben. Irgendwann gab auch T. seine Haltung auf und legte sich dazu. Mit sinnlosem Gelalle und Gelache verging eine Stunde. Dann wurde es langsam Zeit, aufzubrechen und die erste U-Bahn nach Hause zu nehmen. Angesichts Echinacinas bedrohlich anmutender Trunkenheit hatten Káosz und Epinephrine beschlossen, die Sängerin nach Hause zu begleiten und bei ihr zu übernachten.

    Die erste U-Bahn an einem Sonntagmorgen!!! Will man die upgefucktesten Gestalten von ganz München sehen, will man endlich mal die dramatischen Statistiken zum Alkoholkonsum von Jugendlichen in Fleisch und Blut sehen, ist man selbst betrunken und will sich dabei nicht allein fühlen - das ist der Ort, den man aufsuchen muss! Kein Fünf-Uhr-Morgen-Pendler schaut vorwurfsvoll über den Rand seiner Laptoptasche, keine jungen Haschlis in Sekretärinnenkostümen rümpfen die Nase über einen, keine adretten schlaflosen Omas beschönigen die Wahrheit - hier beginnen die Partysüchtigen, ihren Rausch auszuschlafen!!
    Echinacina lehnte halb schlafend und mit roten Augen an meiner Schulter, über die Sitze daneben erstreckte sich ein junger Mann, der Echinacinas Tasche als Kopfkissen benutze und seine Füße streiften die ausgestreckten Beine seines schnarchenden Saufkumpans. Mir gegenüber saß mit gesenktem Kopf ein weiterer junger Mann, den seine Freundin besorgt und verlegen beobachtete. Auf den Klappsitzen direkt bei der Fahrertür schliefen drei weitere Personen. Inmitten dieser fahrenden Ausnüchterungszelle saßen Káosz und ich und lachten uns den Arsch ab.

    Káosz schaffte es sogar noch, ein Bild von dem absurden Szenario zu machen, bevor der junge Mann mit seiner Freundin panisch aufsprang und den Waggon verließ, um auf den Bahnsteig zu kotzen.
    Ähnliches sollte der Chaos Crew auch noch blühen. Als sie endlich ihre Station erreicht hatten, stiegen sie aus und machten sich, etwas belebt von der frischen Nachtluft, auf den Weg zu Echinacinas Wohnung. Dabei kam ihnen jedoch eine Grünanlage in die Quere.
    "Komm, Káosz, wir gehen kotzen!" jubelte Echinacina und Káosz, die den morgigen Kater lindern wollte, willigte ein.
    So standen die beiden einträchtig zwischen den Beeten und erbrachen sich, während Epinephrine die Rucksäcke im Auge behielt und dabei selbst das Würgen unterdrücken musste. Ablenkungshalber begann sie, "Oh du Fröhliche" zu singen. Die anderen stimmten in den kurzen Kotzpausen mit ein.
    Währenddessen hatte Epinephrine einen weißen Lichtstrahl am Himmel entdeckt, auf die sie die anderen mit den Worten: "Schaut mal, da ist ein Leuchtturm!" hinwies.
    "Wir sind hier in der Stadt, da gibt es keinen Leuchtturm!"
    "Aber das ist ein Leuchtturmlichtstrahl!" Man bedenke den Grad der Trunkenheit, der das Aussprechen eines solchen Wortmonstrums erst so richtig zum Vergnügen macht!
    "Das ist die Alabama-Halle!"
    "Nein, das ist ein Leuchtdurmlischtral! Seht ihr nicht den Leuchhurm-hick-dral?"
    Fünf Minuten später sah Echinacina ihn tatsächlich: "Sch..Schaud ma, da is ja n Laserschdral am Himmel! Seht ihr das?"
    Woraufhin Káosz und Epinephrine in Gelächter ausbrachen.

    Trotz allem erwies sich Echinacina noch als ausgezeichnete Gastgeberin und bezog Káosz und Epinephrine ein Sofa, auf das die beiden umgehend plumpsten und ratzten, was das Zeug hielt.

    Dieser selige Zustand dauerte allerdings nur bis ein Uhr, da Epinephrine von Geräuschen geweckt wurde, die ihr einen Moment lang den Eindruck vermittelten, das Haus stehe unter Beschuss. Die Ursache dieser Geräusche blieb unklar, aber es handelte sich wohl weder um eine Zombieattacke noch um einen Angriff wütender Hopper auf die einsame Insel der guten Musik im Münchener Ghetto.
    Trotzdem nahm sich für die verkaterte Chaos Crew der Tag als eine Art Kriegszustand aus - der Kampf gegen den Kater, die Übelkeit und die Durstanfälle. Waffen beschafften Káosz und Epinephrine an der nahegelegenen Tankstelle: Fünf Flaschen "Überwasser" ( Nicht Alexi Laiho, sondern Powerade Mountain Blast ist der blaue Flaschengott und wie zur Hölle schaffen manche Leute es, für Schleichwerbung bezahlt zu werden?! ), Chips und natürlich - so auch der allgemeine Schlachtruf - BRÜHÄÄÄÄÄÄÄÄ!!!!!!!!!!!!!! Die Kampfmoral wurde gestärkt durch das fünfzigmalige Anhören von "Ausgebombt!" - ein Begriff, der bald zum Synonym für die Schattenseiten des Day-After-The-Party-Feelings wurde. Und wenn jetzt noch alle darauf warten, wo denn der Skandal um diese Formulierung bleibt - wer kritisiert die Chaos Crew, wie ist das an die Öffentlichkeit gelangt, werden sie sich entschuldigen?! Wer muss zurücktreten?! - dann halte ich hier eine herbe Enttäuschung für ihn bereit: Die Schlagzeile war natürlich nur ein Köder. Ohne die Aussicht auf einen Skandal um politisch unkorrekte Formulierungen hätte doch nie jemand diesen langen, sinnlosen Blogeintrag gelesen???...

  • Das Nuclear-Blast-Festival

    Nein, wir haben nicht menschenverachtenderweise und zudem verspätet den Jahrestag des Atombombenabwurfs über Hiroshima und Nagasaki gefeiert, sondern haben einer Jubiläumsfeier der anderen Art beigewohnt: Dem zwanzigjährigen Geburtstag von Nuclear Blast, der in der Hanns-Martin-Schleyer Halle in Stuttgart mit mehreren Konzerten gefeiert wurde. Angekündigt waren u.a. ( will sagen: was ich zur Kenntnis genommen habe ) Edguy, Subway to Sally, Dimmu Borgir und Blind Guardian.
    Die Veranstaltung sollte von vier bis Mitternacht dauern, was bedeutete, dass wir bereits um zwölf Uhr mittags von zuhause aufbrechen mussten. Daraus, dass wir nicht etwa schon um fünf Uhr morgens losfahren mussten, lässt sich folgern, dass wir nicht versucht haben, mit der Bahn zu fahren ;). Glücklicherweise teilt Káosz Mutter unseren Musikgeschmack zumindest in Teilen und diese Teile überschnitten sich mit einigen der angekündigten Bands - will sagen: Für Subway und Guardian war sie gerne bereit, nach Stuttgart zu fahren.
    Die Fahrt selbst wurde dadurch beeinträchtigt, dass die gesamte Autobahn aus mehr Tempolimits als Asphalt bestand und es eher die Ausnahme war, dass wir mit 170 "Towards Dead End" rasen konnten. Ein echtes Wacken-Feeling vermittelte allerdings unser Halt an einer Raststätte, an der zufällig gerade auch ein Bus voller Metaller hielt, denen man das Ziel schon an den Bandshirts ansah. Trotzdem schauten unsere Reisegenossen einigermaßen verdutzt, als wir bei weit offenen Türen "Into the Storm" über den Parkplatz dröhnen ließen.
    Kurz vor Stuttgart bildete sich ein kleiner Stau, weil zeitgleich zum Konzert in dem neben der Halle gelegenen Stadion ein Fußballspiel stattfinden sollte. Erstaunlicherweise fanden wir trotzdem einen Parkplatz. Insgesamt war es eine sehr skurrile Kolonne, die sich vom Parkplatz zu den Veranstaltungsstätten wälzte: Auf der einen Seite Fußballfans samt Shirts, Schals und Fahnen, auf der anderen Seite langhaarige Metaller in Cammouflage-Hosen und Bandshirts.
    An der Brücke, die zur Schleyer-Halle führte, trennten sich die Wege. Trotzdem blieb die Prozession der Metaller noch interessant genug. Man sah einige Gesellen mit Corpsepaint - allerdings waren die Leute insgesamt erstaunlich wenig geschminkt -, andere hatten schöne bunte Haare und - was wohl am erstaunlichsten war: Es liefen relativ Wenige mit einem Hatecrew Deathroll Shirt herum.
    Da wir nicht vorhatten, irgendwie in die erste Reihe zu kommen, verlief die Wartezeit vor den Toren relativ entspannt. Sie gewann noch dadurch, dass irgendjemand Luftballons in die Menge warf. Wenn also irgendjemand das Ganze von weitem beobachtet hat und sich fragt, warum die Masse immer wieder auf und ab zu hüpfen schien und die Arme hob - das war keine Aufwärmübung, sondern der Versuch einer Horde Metaller, mit einem improvisierten Volleyballspiel die Wartezeit etwas spannender zu gestalten. Als aus den 99 nach und nach 98, 97, 96 und zum Schluss null Luftballons geworden waren, zum Glück ohne, dass vorher jemand Wasser oder gar Bier hineingefüllt hatte, wie vielfach gefordert, rettete irgendein anderer Witzbold die Stimmung, indem er die Hanns-Martin-Schleyer Halle passenderweise in die Hanns-Martin-Slayer Halle umtaufte.

    Trotzdem sind Wartezeiten generell so langweilig, vor allem, wenn sie sich in der Halle fortsetzen - selbst wenn man sie mit Merchandise, Bier, Rauchen und aufs Klo gehen verbringt - dass es völlig unmöglich ist, sie in einem Blogeintrag auf eine Art und Weise darzustellen, die einen nicht auf eine Stufe in der Bloggerhierarchie stellt, die noch unter der der Katzenblogger liegt. Deswegen mache ich einen kleinen Sprung.

    Nach der Guardian-Autogrammstunde, bei der wir tatsächlich an die Reihe kamen, und der Dimmu-Autogrammstunde, während der wir versuchten, einen Blick auf Shagrath ohne Corpsepaint zu erhaschen, hörten wir uns die zweite Hälfte des Edguy-Gigs an - in der hinteren Hälfte der Halle und ohne großen Enthusiasmus.
    Danach kamen Subway an die Reihe. Als ich hörte, dass sie am Vortag ihr neuestes Album released hatten, ahnte ich schon Böses. Aber was dann passierte, übertraf meine Befürchtung, ich würde gelangweilt rumstehen, während Subway irgendwelche Songs spielte, die ich nicht kannte, noch um einiges. Erstens einmal zeigte das Banner über dem Drumset nicht etwa den Bandschriftzug, sondern den Titel ihres neuen Albums, so dass ein Unwissender wahrscheinlich davon ausgegangen wäre, dass hier eine Band namens "Bastard" spielte. Dann begannen Subway ihren Gig mit - drei Songs von ihrem neuen Album. Die kannte allerdings nicht nur ich nicht - niemand kannte sie, und dementsprechend war auch die Stimmung. Nach diesem strategischen Patzer folgten allerlei Songs, mit denen ich nur wenig anfangen konnte - es waren weder Balladen, noch Sound, der sich zum Headbangen eignete, und außerdem klangen sie relativ ähnlich. Höhepunkte des Konzert war der "Veitstanz" und der Meister; und wer Subway kennt, den wird das hellhörig machen. Denn Subway haben ein Verbrechen begangen, das schlichtweg nicht zu entschuldigen ist: Sie haben nicht "Julia und die Räuber" gespielt!!!! Das ist ihr bekanntester Song, vor und nach allen Subway Konzerten fängt irgendjemand in der Menge an, ihn zu singen und nach und nach pflanzt sich der Song nach überall hin fort, das ganze Konzert über warten alle auf diesen Song und sie SPIELEN IHN NICHT!!!! Ich war noch nicht weiter beunruhigt, als Subway ihren Gig offiziell mit ihrem etwas dümmlichen "Sieben" beendeten, weil "Julia und die Räuber" normalerweise immer als Zugabe gespielt wird, nur - die Zugabe kam nicht!!! Subway quälen ihr Publikum gerne ein wenig, aber als die Band von der Bühne und das Licht an war und das länger als zwei Minuten war ich wirklich geschockt. Haben wir nicht laut genug nach einer Zugabe gerufen, war ihnen die Stimmung zu schlecht? Naja, daran wären sie selbst schuld gewesen! Die Setlist war enttäuschend, gelinde gesagt!
    Dass ich doch noch die nächsten zwei Tage mit Nackenschmerzen verbrachte, verdanke ich Dimmu. Ich hatte diese Band noch nie live gesehen und ich kannte keinen einzigen ihrer Songs, nicht einmal dem Namen nach. Das tat meiner Stimmung allerdings keinen Abbruch, weil Dimmu einfach eine geniale Live-Band sind und der einzige Vorteil daran, die Songs zu kennen, darin besteht, dass man sich darauf einstellen kann, in welchem Rhythmus man zum nächsten Part headbangen soll. Außerdem muss man bei Dimmu allein schon deshalb abgehen, damit man die posigen Videoclips im Hintergrund ignorieren kann :P.
    Nach dem Dimmu-Gig war ich jedenfalls so begeistert, dass ich mir nach dem Sonata Arctica-Girlie auch noch ein Dimmu-Shirt besorgte und wieder einmal bewies, dass Geld alleine nicht glücklich macht - man muss es auch ausgeben!
    Darüber verging so viel Zeit, dass wir den ersten Song von Guardian verpassten. Das Publikum konnte uns leider nicht sagen, ob es "Traveler in Time" oder "Into the Storm" gewesen war. Ich war während Guardian zu erschöpft zum Headbangen, die Musik reizte mich dazu auch nicht so sehr wie Dimmu, obwohl es mir insgesamt sehr gut gefiel. Ein Patzer unterlief ihnen allerdings - 15 Minuten lang "And then there was Silence" zu spielen, ist angesichts des Zeitlimits und der allgemeinen "Beliebtheit" des Songs kein allzu gute Idee. Wenigstens blieben sie der Tradition treu und spielten den "Bard´s Song". Dass dabei eine Sanibahre an mir vorbeigetragen wurde, schmälerte das Pathos natürlich ein wenig.

    Die Rückfahrt verlief relativ still - von unserem letzten Geld kauften wir uns an einer Raststätte Kaffee, eine Breze und Eistee, damit wenigstens Káosz Mum wach blieb - "und wer fährt?" Dank der Zeitumstellung blieb uns, als wir um vier endlich vor Káosz Haustür standen, sogar eine Stunde Schlaf mehr, sodass wir den Sonntag nicht völlig im Bett verbrachten. Wenn auch stark eingeschränkt durch unsere steifen, schmerzenden Nacken. Wer uns bei unseren Linderungsversuchen zugeschaut und vor allem zugehört hat, wird den Begriff "Massage" jedenfalls nie wieder mit Wellness in Verbindung bringen.

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